Ein neuer Zinsschub trifft die Immobilienwerte am Aktienmarkt hart – und Vonovia mittendrin. Barclays bekräftigte gestern seine skeptische Haltung gegenüber dem gesamten Sektor und bestätigte die zuvor gesenkte Kurszielmarke von 20 Euro bei der Einstufung „Underweight“.
Die Nachrichtenagentur dpa-afx berichtete am selben Tag, dass Immobilien- und Technologiewerte unter dem Anstieg der Zinsen leiden – ein Muster, das sich in Frankfurt gestern deutlich in den Kursen niederschlug: Vonovia schloss am Montag mit einem Minus von 2,6 Prozent bei 19,30 Euro.
Die Analysten bleiben gespalten
Nicht alle Häuser teilen die Skepsis von Barclays. Goldman Sachs hatte sein Kursziel bereits am 24. August von 34,20 auf 29,50 Euro reduziert, die Kaufempfehlung „Buy“ aber ausdrücklich beibehalten.
Jefferies bestätigte am 21. August ebenfalls eine Buy-Einstufung. Damit klafft zwischen den Bewertungen eine erhebliche Lücke: Während Barclays das Papier als Verkaufskandidaten sieht, halten Goldman Sachs und Jefferies an ihrer positiven Grundhaltung fest, auch wenn beide Häuser ihre Kursziele im aktuellen Zinsumfeld unter Beobachtung halten dürften.
Diese Divergenz spiegelt eine grundsätzliche Frage wider: Belastet der Zinsanstieg vor allem die Bewertung des Immobiliensektors als Ganzes, oder trifft er einzelne Unternehmen unterschiedlich stark? Für Vonovia als größten Vermieter Deutschlands mit hoher Verschuldung wiegt jede Zinsbewegung besonders schwer, weil Refinanzierungskosten und Portfoliobewertungen direkt betroffen sind.
Portfolio-Bereinigung ändert wenig an der Grundstimmung
Der Verkauf von 975 Wohnungen in Lüneburg an Tristan Capital Partners für 55 Millionen Euro am vergangenen Donnerstag zeigt, dass Vonovia weiter an seiner Bilanz arbeitet. Bemerkenswert ist der Abschlag: Der ursprüngliche Angebotspreis lag bei 90 Millionen Euro, deutlich über dem letztlich erzielten Verkaufserlös. Ein Signal dafür, wie stark der Marktdruck auf Immobilienbewertungen inzwischen auch bei tatsächlichen Transaktionen durchschlägt.
Der Aktienkurs bewegt sich inzwischen nur noch knapp über seinem 52-Wochen-Tief von 19,16 Euro, das Ende August markiert wurde – ein Abstand von lediglich 0,7 Prozent. Diese Nähe zum Jahrestief unterstreicht, wie stark der Kursdruck der vergangenen Wochen bereits eingepreist wurde und wie wenig Puffer der Markt dem Papier aktuell zubilligt.
Für Anleger bleibt die Gemengelage unübersichtlich: Ein makroökonomischer Gegenwind in Form steigender Zinsen trifft auf eine Analystenschar, die sich uneins ist, ob die Bewertung bereits ausreichend Rücksicht auf diese Risiken nimmt. Solange die Zinsdiskussion den gesamten Sektor belastet, dürfte auch Vonovia trotz einzelner Portfolio-Verkäufe kaum aus eigener Kraft gegensteuern können.
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