Vonovia zieht sich vollständig aus Lüneburg zurück. Der Wohnungskonzern hat den Verkauf von 975 Wohnungen an Tristan Capital Partners abgeschlossen, für rund 55 Millionen Euro. Ursprünglich hatte Vonovia mit etwa 90 Millionen Euro gerechnet. Der Abschlag von mehr als einem Drittel zeigt, wie stark der Preisdruck bei deutschen Wohnimmobilienportfolios derzeit ist.
Verkauf unter Erwartung als Belastungsprobe
Für Anleger ist der Lüneburg-Deal ein Signal: Selbst ein etablierter Bestandshalter wie Vonovia muss beim Verkauf von Randstandorten deutliche Abschläge hinnehmen. Der Konzern trennt sich damit endgültig von einem Standort, an dem er offenbar keine strategische Perspektive mehr sah. Der niedrigere Erlös dürfte den geplanten Portfolio-Umbau bremsen, sofern ähnliche Deals künftig anstehen.
Die Kursentwicklung spiegelt die angespannte Stimmung wider. Die Vonovia-Aktie schloss am Freitag bei 20,05 Euro, nahezu unverändert zum Vortag. Auf Sicht von 30 Tagen steht ein Rückgang von 4,0 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf 18 Prozent. Damit notiert das Papier nur noch 2,7 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro, das erst im Juni erreicht wurde.
Jefferies bleibt skeptisch, aber wohlwollend
Am 11. August, unmittelbar nach den Halbjahreszahlen, senkte Jefferies-Analyst Thomas Rothäusler sein Kursziel für Vonovia von 30,00 auf 28,50 Euro, beließ das Rating jedoch bei „Buy“.
Zehn Tage später warnte sein Kollege Pierre-Emmanuel Clouard in einer Sektorstudie vor Abwärtsrisiken für die Portfoliobewertungen deutscher Wohnimmobilienunternehmen, begründet mit stagnierenden Nettoanfangsrenditen im Juli.
Der Lüneburg-Verkauf fügt sich in dieses Bild: Wenn selbst Vonovia Preisabschläge von rund 40 Prozent akzeptieren muss, dürfte die von Jefferies skizzierte Bewertungsschwäche den gesamten Sektor treffen.
Operatives Geschäft läuft parallel weiter
Abseits der Portfoliobereinigung setzt Vonovia auf Digitalisierung und soziales Engagement. Seit dem 13. August läuft eine strategische Partnerschaft mit dem Berliner KI-Startup Immoly, das eine automatisierte Verwaltungsplattform für private und semi-institutionelle Vermieter entwickelt.
Zudem führt der Konzern seine seit 2007 bestehende Kooperation mit der Kölner Johannesbund gGmbH fort und stellt weiterhin rund 70 Wohnungen für wohnungslose Menschen bereit.
Auf der Finanzierungsseite hat Vonovia zwei Anleihen platziert, eine über 400 Millionen britische Pfund und eine über 300 Millionen australische Dollar, umgerechnet zusammen rund 645 Millionen Euro. Die Emissionen dienen der Refinanzierung und sollen die Bilanz stabil halten.
Medienberichten zufolge ging zudem das Short-Interest bei den in den USA gehandelten Vonovia-Papieren zwischen Mitte und Ende Juli um mehr als 70 Prozent zurück – ein Hinweis darauf, dass Wetten gegen die Aktie zuletzt deutlich zurückgefahren wurden.
Rund 310 neue Auszubildende und duale Studenten starten im August und September beim Konzern, ein Zeichen dafür, dass Vonovia trotz Portfoliobereinigungen und Kursschwäche am operativen Wachstum festhält. Der nächste wichtige Termin für Anleger ist der Zwischenbericht zum dritten Quartal, der für den 4. November angesetzt ist.
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