Der Immobilienriese Vonovia braucht Geld und der Kapitalmarkt liefert. Der DAX-Konzern sammelt über eine neue Wandelanleihe frische Millionen ein. Das Interesse der Investoren übertraf die Erwartungen des Managements dabei deutlich.
Das Unternehmen plante zunächst ein Volumen von 750 Millionen Euro. Wegen der starken Nachfrage stockte Vonovia rasch auf 850 Millionen Euro auf. Die Platzierung richtete sich ausschließlich an institutionelle Investoren. Die Folge: Altaktionäre gingen bei dieser Kapitalmaßnahme komplett leer aus. Der Konzern schloss ihre Bezugsrechte aus.
Die unbesicherte Anleihe läuft bis Ende Juni 2031. Sie bietet Käufern eine jährliche Rendite von knapp 1,9 Prozent.
Für Bestandsaktionäre ist der Wandlungspreis entscheidend. Dieser liegt bei 28,04 Euro und damit weit über dem aktuellen Kursniveau. Eine schnelle Verwässerung der Aktienanteile droht somit nicht. Die Wandelanleihe fungiert vorerst als günstige Finanzierungsquelle.
Teure Refinanzierung im Fokus
Vonovia benötigt das Kapital dringend. Allein im laufenden Jahr 2026 muss der Konzern Schulden in Höhe von 1,6 Milliarden Euro refinanzieren. Höhere Zinsen verteuern diesen Prozess spürbar. Um die Investorenbasis zu verbreitern, sammelte das Unternehmen zuletzt bereits Geld in britischen Pfund und australischen Dollar ein.
Operativ zeigt sich das Kerngeschäft robust. Die Mieteinnahmen stiegen im ersten Quartal organisch um vier Prozent. Der bereinigte Gewinn sank allerdings um sieben Prozent auf rund 365 Millionen Euro. Die gestiegene Zinslast drückt direkt auf das Ergebnis.
Stabile Mieten, schwacher Kurs
An der Börse spiegelt sich die operative Stabilität kaum wider. Die Aktie beendete den Freitagshandel bei 21,52 Euro. Seit Jahresbeginn steht damit ein Minus von knapp elf Prozent auf der Anzeigetafel.
Der aktuelle Kurs offenbart eine massive Lücke zum inneren Wert. Vonovia beziffert den Nettoinventarwert auf 46,57 Euro je Aktie. Das Papier notiert also weniger als halb so teuer. Selbst das 52-Wochen-Hoch von gut 30 Euro liegt weit entfernt.
Der nächste Härtetest steht bereits fest. Im August präsentiert Vonovia den Halbjahresbericht. Dann muss das Management beweisen, dass das operative Gewinnziel von rund drei Milliarden Euro erreichbar bleibt. Gelingt dies, könnte die massive Unterbewertung schrittweise schrumpfen.
