Vonovia steht vor dem heikelsten Termin des Jahres. Ende Juni bewertet der Konzern seinen gesamten Immobilienbestand neu — und die EZB hat kurz davor die Zinsen erhöht.
Am 11. Juni hob die EZB alle drei Leitzinssätze um 25 Basispunkte an. Die Einlagefazilität liegt nun bei 2,25 Prozent. Für Vonovia ist das direkt relevant: Steigende Zinsen drücken Immobilienbewertungen nach unten. Der Nettovermögenswert gerät damit genau zum falschen Zeitpunkt unter Druck.
Zinsen hoch, Bewertung fraglich
Auslöser für den EZB-Schritt war die Inflation im Euroraum. Im Mai kletterte sie auf 3,2 Prozent — weit über dem Zwei-Prozent-Ziel. EZB-Volkswirte rechnen für 2026 mit einer Teuerungsrate von 3,0 Prozent bei einem BIP-Wachstum von nur 0,8 Prozent. Weitere Zinsschritte sind damit nicht ausgeschlossen.
Für Vonovia bedeutet das: Die Portfoliobewertung zum 30. Juni findet unter deutlich ungünstigeren Bedingungen statt als noch vor einem Jahr. Am 5. August legt der Konzern die Halbjahreszahlen vor. Dann wird klar sein, wie viel von der Erholung der vergangenen 18 Monate noch übrig ist.
Operativ solide, finanziell belastet
Das operative Geschäft hält sich. Die durchschnittliche Miete stieg um 3,8 Prozent auf 8,46 Euro je Quadratmeter und Monat. Die Leerstandsquote liegt bei 2,3 Prozent.
Der bereinigte Gewinn sank jedoch um 7,2 Prozent auf 365,6 Millionen Euro — höhere Zinskosten fressen den Ertrag. Die Jahresziele bestätigte das Management dennoch. Für 2026 peilt Vonovia ein bereinigtes EBITDA von 2,95 bis 3,05 Milliarden Euro an.
Strukturell bleibt der Wohnungsmarkt eng. 2025 wurden nur rund 207.000 Wohnungen fertiggestellt — der niedrigste Wert seit 2012. Neue Genehmigungen bedeuten frühestens 2028 zusätzliches Angebot. Das stützt die Mieteinnahmen.
Kurs nahe Jahrestief, Abschlag massiv
Die Aktie schloss am Freitag bei 20,44 Euro — nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 19,53 Euro. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 15,26 Prozent, auf Jahressicht sogar fast 29 Prozent. Der Kurs liegt rund 55 Prozent unter dem Buchwert.
Goldman Sachs hält an der Kaufempfehlung fest und setzt das Kursziel bei 34,30 Euro an. Analyst Jonathan Kownator verweist auf positive Sektortrends. Die Lücke zwischen Kursziel und aktuellem Kurs ist beträchtlich — aber ob sie sich schließt, hängt maßgeblich davon ab, was die Portfoliobewertung Ende Juni zeigt.
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