Der geplante Entschädigungsdeckel von 16 Milliarden Euro macht aus der Berliner Enteignungsdebatte eine Rechenaufgabe. Vonovia hält das Vorhaben für verfassungswidrig. Die Aktie notiert derweil nahe ihrem Tief seit 2023, zuletzt bei rund 15,30 Euro.
Was Berlin konkret plant
Linke, Grüne und SPD haben sich in ihrem Sondierungspapier auf einen vorläufigen Fahrplan verständigt. Private Wohnungskonzerne mit mehr als 10.000 Wohnungen in Berlin sollen gegen Entschädigung enteignet werden. Einen Grundbestand von 10.000 Wohnungen dürften sie behalten, nur die übrigen Bestände würden vergesellschaftet.
Nach Angaben der Linke-Fraktionschefin Elif Eralp wären fünf große Konzerne betroffen, darunter Vonovia. Rund 160.000 Wohnungen kämen so in kommunalen Besitz. Die Entschädigung soll bei 16 Milliarden Euro gedeckelt werden, Eralp nennt das einen „sehr realistischen Betrag“.
Der Zeitplan ist lang. Ein Gesetz wollen die Parteien Mitte 2028 vorlegen, in Kraft träte es ein Jahr nach Beschluss. Zuvor soll das Verfassungsgericht prüfen, Klagen gelten als sicher. Voraussetzung bleibt, dass überhaupt eine Koalition zustande kommt. Darüber müssen die Parteien noch intern entscheiden.
Vonovia hält dagegen
Das Unternehmen lässt keinen Zweifel an seiner Haltung. „Das Sondierungsergebnis ändert nichts an unserer Haltung“, teilte der Konzern mit. Eine Vergesellschaftung in der geplanten Art sei verfassungswidrig und würde einer gerichtlichen Überprüfung nicht standhalten.
Zugleich verweist Vonovia auf seine Rolle am Berliner Markt. Die durchschnittliche Miete im Berliner Bestand liege bei 8,26 Euro je Quadratmeter, rund 1.000 Einheiten seien im Bau. Für mehr Wohnraum brauche es private Investitionen, und die setzten Rechtssicherheit voraus.
Bund hält sich zurück
Aus Berlin kommt kein Eingreifen. Ein Regierungssprecher sah keinen aktiven Anlass zu handeln und wolle erst die Entscheidungen der Berliner Parteien abwarten. Der Koalitionsausschuss hatte im Juli beschlossen, Vergesellschaftungen privater Mietwohnungsbestände per Bundesgesetz auf Landesebene auszuschließen. Dieser Beschluss gelte weiter, betonte der Sprecher. Die FDP fordert dagegen, rasch einen Gesetzentwurf vorzulegen.
Am Markt reagierte die Aktie zuletzt kaum. Anleger streiten darüber, ob die Entschädigung für Aktionäre ein Verlust oder ein kalkulierbares Geschäft wäre. Die Analystenziele zwischen 20 und 34 Euro liegen deutlich über dem aktuellen Kurs. Ob und wann sich die Berliner Parteien auf eine Koalition einigen, soll sich nach Regierungsangaben in den nächsten Wochen entscheiden.
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