Volkswagen steuert auf eine der heikelsten Handelswochen des Jahres zu. Am Montag hält der Konzern seinen Pre-Close Call ab. Gleichzeitig bleibt die Führungsfrage im Aufsichtsrat ungeklärt, und die Aktie taumelt nahe am Jahrestief.
Pre-Close Call: Analysten wollen Klarheit
Am Montag, den 13. Juli 2026, hält Volkswagen zwischen 9 und 10 Uhr den offiziellen H1 Pre-Close Call ab. Der Markt beobachtet diesen Termin genau. Am Freitag hatte der Konzern einen Rückgang der weltweiten Auslieferungen um 8,6 Prozent auf 2,08 Millionen Fahrzeuge im zweiten Quartal gemeldet.
Analysten erwarten nun Details zur Marge und zum Cashflow. Besonders schwer wiegt der Einbruch in China. Dort brachen die Verkäufe im Quartal um 36,6 Prozent ein.
Der Markt will wissen, wie Volkswagen gegenüber chinesischen Elektroauto-Herstellern wieder wettbewerbsfähig werden will. Konkrete Antworten dazu stehen bisher aus.
Aufsichtsrat vertagt Entscheidung, Blume sucht Alternativen
Zur operativen Schwäche kommt eine ungeklärte Machtfrage in Wolfsburg hinzu. Der Aufsichtsrat leistete zuletzt Widerstand gegen geplante Werksschließungen in Deutschland. Konzernchef Oliver Blume sucht nach eigenen Angaben nun nach „intelligenten Alternativen“.
Blume verweist darauf, dass Volkswagen die Fabrikkosten an deutschen Standorten bereits im Schnitt um 20 Prozent gesenkt hat. Weitere Einschnitte hält er dennoch für nötig, um den Industriestandort zu sichern.
Der Aufsichtsrat vertagte zentrale Entscheidungen zu Stellenabbau und Standortschließungen bei seiner Sitzung am vergangenen Donnerstag. Damit bleibt das strategische „Zielbild 2030″ unvollständig. Ohne die geplanten Einsparungen sehen Experten die langfristigen Renditeziele in Gefahr. Ratingagenturen prüfen unterdessen ihre Einstufungen für den Konzern.
Charttechnik zeigt die Nervosität
Die Vorzugsaktie schloss am Freitag bei 71,06 Euro, ein Tagesminus von 1,31 Prozent. Auf Wochensicht steht ein Verlust von 5,25 Prozent zu Buche, über 30 Tage sind es bereits 17,85 Prozent. Seit Jahresbeginn hat das Papier 33,03 Prozent eingebüßt.
Damit notiert die Aktie nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro vom 1. Juli. Zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember 2025 klafft eine Lücke von fast 35 Prozent. Der 200-Tage-Durchschnitt liegt bei 93,78 Euro — die Aktie notiert gut 24 Prozent darunter.
Der RSI von 30,2 signalisiert eine überverkaufte Aktie. Trotzdem warnen Marktbeobachter: Rutscht der Kurs unter die Marke von 69,20 Euro, könnte es weiter Richtung 60 Euro gehen. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 32,21 Prozent zeigt, wie angespannt die Stimmung vor den anstehenden Terminen ist.
Der 24. Juli als nächster Prüfstein
Nach dem Pre-Close Call am Montag folgt der nächste wichtige Termin: der Halbjahresfinanzbericht am 24. Juli 2026. Bis dahin dürfte der Markt jede Aussage von Arbeitnehmerseite und Vorstand genau prüfen — auf der Suche nach Anzeichen für eine Einigung im Sparkurs.
Liefert Volkswagen im Montags-Call keine überzeugende Strategie für China und die Kostenstruktur, droht ein Rutsch auf neue Mehrjahrestiefs. Zusätzliche Unsicherheit bringen mögliche EU-Reaktionen im Zollstreit mit China, die den Absatzmarkt direkt treffen könnten.
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