Volkswagen steckt tiefer in der Krise, als es die reinen Absatzzahlen vermuten lassen. Der Zwischenbericht der Porsche SE für das erste Halbjahr 2026 zeichnet das Bild eines Konzerns am historischen Wendepunkt: Der Nettogewinn brach um fast ein Drittel ein, und laut den Zahlen der Beteiligungsholding drohen dem Autobauer neben den bereits gestrichenen 50.000 Stellen weitere 50.000 Arbeitsplätze sowie die Schließung von vier deutschen Werken. Der Aufsichtsrat soll diese Pläne bislang blockieren.
Porsche SE schreibt VW-Anteil massiv ab
Die Porsche SE, die 31,9 Prozent an Volkswagen und 12,5 Prozent an der Porsche AG hält, weist für das erste Halbjahr ein Konzernergebnis von minus 2,2 Milliarden Euro aus – nach plus 0,3 Milliarden im Vorjahreszeitraum.
Der Einbruch geht maßgeblich auf Wertberichtigungen zurück: Allein auf die VW-Beteiligung schrieb die Holding 3 Milliarden Euro ab, auf die Porsche AG weitere 0,2 Milliarden. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis sank um 14,5 Prozent auf 949 Millionen Euro.
Für Anleger ist das mehr als eine Randnotiz einer Beteiligungsgesellschaft: Die Abschreibung ist ein Fingerzeig darauf, wie stark der Kernwert Volkswagen aus Sicht des Großaktionärs an Substanz verloren hat.
Bei der Porsche AG selbst zeigt sich ein zwiespältiges Bild. Das operative Ergebnis kletterte um 34 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro, während der Umsatz um 5,1 Prozent auf 17,2 Milliarden Euro zurückging.
Die Auslieferungen brachen um 16,5 Prozent auf 122.306 Fahrzeuge ein, der Elektroanteil sank von 23,5 auf 19,4 Prozent. Die Ergebnisverbesserung trotz sinkender Stückzahlen deutet auf schärferes Kostenmanagement hin – ein Muster, das der Mutterkonzern Volkswagen erst noch etablieren muss.
China wird vom Wachstumsmarkt zum Problemfall
Verschärft wird die Lage durch die Entwicklung in China, dem einst wichtigsten Absatzmarkt des Konzerns. Während der dortige Pkw-Markt im ersten Halbjahr um 20 Prozent schrumpfte, brachen die Verbrennerverkäufe sogar um 26,7 Prozent ein – ausgerechnet das Segment, in dem Volkswagen mit einem Marktanteil von 22,6 Prozent noch stark vertreten ist.
Bei Elektroautos kommt der Konzern dagegen nur auf rund 5 Prozent Anteil, während der Anteil neuer Energiefahrzeuge am Gesamtmarkt bei 54 Prozent liegt. Die BEV-Auslieferungen fielen im ersten Quartal um 64 Prozent, die gesamten China-Auslieferungen im zweiten Quartal um 36,6 Prozent.
Volkswagen versucht gegenzusteuern: Mit Partnerschaften wie jener mit Xpeng für das Modell ID. UNYX 08 und rund 20 lokal entwickelten Fahrzeugen für 2026 soll die Lokalisierung beschleunigt werden. Robert Cisek, der die Passagierwagen-Marke für den chinesischen Markt verantwortet, sprach auf der Beijing Auto Show über den Kurs, Zyklen zu verkürzen und Kosten zu senken.
Auch das Audi-Modell E5 Sportback wurde in China zum „Car of the Year 2026“ gekürt. Ob solche Achtungserfolge reichen, um die strukturelle Schwäche im Verbrennergeschäft auszugleichen, bleibt fraglich.
Branchenweiter Margendruck trifft VW besonders hart
Volkswagen steht mit seinen Problemen nicht allein. Eine Auswertung der 15 größten nichtchinesischen Autohersteller zeigt für das erste Halbjahr 2026 einen Rückgang des durchschnittlichen Ebit je Fahrzeug um 15,8 Prozent auf 1.187 Euro, das Gesamt-Ebit der Branche fiel um 17,5 Prozent auf 35,6 Milliarden Euro.
US-Zölle und der Preiswettbewerb aus China belasten demnach die gesamte Industrie, eine Entspannung wird für die zweite Jahreshälfte nicht erwartet – ein Umfeld, das Volkswagens ohnehin angespanntes Kostensenkungsprogramm zusätzlich erschwert.
An der Börse spiegelt sich die angespannte Lage in einer schwachen Kursreaktion wider. Die Vorzugsaktie notiert aktuell bei 74,96 Euro und gibt am heutigen Handelstag 0,43 Prozent nach, nachdem das Papier bereits am Montag schwächer in die Woche gestartet war.
Seit Jahresbeginn steht ein Minus von 28,03 Prozent zu Buche, zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro aus dem Dezember beträgt der Abstand 31,29 Prozent. Charttechnisch spricht die jüngste Bewegung nach einem kurzen Erholungsversuch am Freitag für eine Konsolidierung am Widerstand – ein Zeichen dafür, dass Anleger angesichts der ungelösten strukturellen Baustellen in China und Deutschland vorerst abwarten.
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