Der Verlust fällt hoch aus, überrascht aber kaum: Volkswagen hat im dritten Quartal unter dem Strich 5,82 Milliarden Euro Minus verbucht. Die Zahlen sind das Echo der Gewinnwarnung aus dem September. Spannender als die Vergangenheit ist, was der Finanzchef für die kommenden Monate andeutet.
Sonderkosten dominieren die Bilanz
Den Löwenanteil macht eine nicht zahlungswirksame Abschreibung auf den Firmenwert von Porsche aus, rund 6,4 Milliarden Euro. Der Konzern hat seine Erwartungen an die Sportwagentochter damit deutlich gesenkt. Insgesamt summieren sich die Sondereffekte im Quartal auf 7,8 Milliarden Euro. Hinzu kommen rund eine Milliarde Euro Wertberichtigung bei China-Gesellschaften und Belastungen durch den geplanten Verkauf des Werks Osnabrück.
Ohne diese Effekte hätte VW im Tagesgeschäft einen Gewinn von 8,8 Milliarden Euro erzielt. Das entspricht einer operativen Rendite von 3,8 Prozent. Finanzchef Arno Antlitz nannte das „zu wenig, um weiter kraftvoll in unsere Zukunft zu investieren“.
Der Umsatz sank um 6,3 Prozent auf 75,3 Milliarden Euro und blieb damit hinter den Erwartungen zurück. Operativ rutschte der Konzern mit 5,9 Milliarden Euro ins Minus, Analysten hatten mit gut 2,6 Milliarden Euro Verlust gerechnet.
China wird zum Problemfall
Besonders schwer wiegt die Lage im größten Automarkt der Welt. Der Absatz dort brach im dritten Quartal um 38,5 Prozent auf knapp 406.000 Fahrzeuge ein. Die chinesischen Gemeinschaftsunternehmen, einst Gewinnbringer, steuerten in den ersten neun Monaten einen anteiligen operativen Verlust von 113 Millionen Euro bei.
Für das Gesamtjahr rechnet Antlitz dort vor Abschreibungen nur noch mit einem Ergebnis um die Gewinnschwelle. Auch ein spürbarer Verlust sei nicht ausgeschlossen. Nach dem ersten Halbjahr hatte VW noch 200 bis 600 Millionen Euro Gewinnbeitrag erwartet.
Konzernweit lieferte VW 1,89 Millionen Fahrzeuge aus, 14,3 Prozent weniger als vor einem Jahr. Ein Lichtblick sind Elektroautos in Europa mit anziehenden Aufträgen. Allerdings verdient der Konzern damit laut Antlitz derzeit weniger als mit Verbrennern.
Sparplan und Prognose
Der Zukunftsplan 2030 sieht Einsparungen von 31 Milliarden Euro vor. Zusätzlich zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellen stehen rechnerisch weitere 50.000 Jobs zur Disposition. Bei der Kernmarke beginnen im November Gespräche mit den Arbeitnehmern.
Die Prognose bleibt unverändert: Vom Umsatz sollen 2026 höchstens ein Prozent als operativer Gewinn bleiben, der Umsatz soll bei rund 315 Milliarden Euro liegen. Für das Gesamtjahr erwartet VW Sonderkosten von rund 10 Milliarden Euro, 8,7 Milliarden sind verbucht. Es droht das erste Verlustjahr seit dem Diesel-Skandal.
An der Börse blieb die Reaktion verhalten. Die Vorzugsaktie gab am Vormittag um gut ein halbes Prozent auf rund 69 Euro nach, in diesem Jahr hat sie ein Drittel verloren. Jefferies-Analyst Philippe Houchois sieht die Zahlen im Wesentlichen im Rahmen der Erwartungen und verweist auf einen Mittelzufluss im Autogeschäft am oberen Ende der Prognose. Der nächste Prüfstein sind die Gespräche zum Haustarif im November.
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