Der Machtkampf um die Zukunft von Volkswagen hat sich verschärft. Während der Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns an diesem Freitag über weitreichende Werkschließungen entscheiden soll, formiert sich Widerstand von zwei Seiten, die für den Konzern entscheidend sind: dem Land Niedersachsen als Großaktionär und der IG Metall.
Niedersachsen kämpft um jeden Standort
Die Landesregierung in Hannover, die 20 Prozent an Volkswagen hält, kündigte an, um jeden deutschen VW-Standort kämpfen zu wollen. Betroffen wären nach Medienberichten die Werke in Emden, Hannover, Zwickau und das Audi-Werk Neckarsulm.
Konzernchef Oliver Blume hatte zuvor erklärt, für diese Standorte fehle in den 2030er Jahren eine wettbewerbsfähige Auslastung. Der bereits angekündigte Abbau von 50.000 Stellen bis 2030 reiche aus Sicht des Vorstands nicht aus.
Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer stellte sich öffentlich gegen die Pläne. Er bezeichnete Volkswagen als einen zu einem schwerfälligen Kombinat gewordenen Konzern und bestand darauf, dass in Zwickau weiter Autos gebaut werden müsse.
Zugleich stellte er klar, dass am Freitag keine endgültige Entscheidung zu den Werken falle. Das sächsische Werk Zwickau, laut Kretschmer das effizienteste im Konzern, beschäftigt rund 8.000 Menschen und besitzt eine Standortgarantie bis 2030.
IG Metall spricht von Konfrontation
Die IG Metall wies Berichte über ein bereits beschlossenes Aus der Werke als „Quatsch“ zurück und warf dem Vorstand vor, bewusst auf Konfrontation zu setzen. Der Betriebsratsvorsitzende in Zwickau, Mario Albert, kündigte Widerstand der Arbeitnehmerseite an.
Für die Sitzung am Freitag liegen nach Berichten drei konkurrierende Beschlussvorlagen vor: ein Plan des Vorstands mit einem Auslaufen der Produktion in Emden und Zwickau 2031, in Hannover 2032 und in Neckarsulm 2034, sowie jeweils eigene Vorschläge der Arbeitnehmerseite und des Landes Niedersachsen.
Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch lud die Streitparteien für Mittwochabend zu Gesprächen ein, um vor der eigentlichen Sitzung noch eine Annäherung zu erreichen.
Sollte der Aufsichtsrat die Vorstandspläne ablehnen, bereitet das Management laut Berichten sogar eine außerordentliche Hauptversammlung vor, um das Sparpaket notfalls an den Kontrolleuren vorbei durchzusetzen. Arbeitnehmervertreter drohen ihrerseits mit einer Klage bis zum Bundesgerichtshof.
Anleger reagieren mit Skepsis
An der Börse kommt die Eskalation nicht gut an. Die Aktie fiel im heutigen Handel um 3,4 Prozent auf 73,80 Euro und rutschte damit unter den 50-Tage-Durchschnitt von 73,97 Euro. Seit Jahresbeginn steht bei dem Papier ein Kursverlust von 29 Prozent, der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro beträgt 32 Prozent.
Der Konflikt zwischen Konzernführung, Landesregierung und Gewerkschaft macht deutlich, dass eine schnelle Lösung unwahrscheinlich ist. Blume selbst hatte die Lage als „mehr als kritisch“ bezeichnet und arbeitet nach eigenen Angaben an einem „Zielbild 2030“. Bis eine Einigung zwischen den drei zerstrittenen Lagern steht, dürfte die Unsicherheit über die Zukunft der deutschen Werke die Aktie weiter belasten.
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