Rostende Schrauben, ausfallende Lenkungen – und trotzdem bewegt sich an der Börse fast nichts. Volkswagen ruft weltweit knapp 2,86 Millionen Fahrzeuge zurück, weil eine Befestigungsverschraubung der Lenkung korrodieren kann. Die Vorzugsaktie reagiert darauf kaum, was auf den ersten Blick überrascht.
Was hinter dem Rückruf steckt
Bei internen Qualitätsprüfungen fiel auf: Unter bestimmten Umwelteinflüssen und nach jahrelangem Betrieb unter Streusalz kann eine Verschraubung der Lenkung korrodieren. Schreitet der Prozess fort, kann im Einzelfall die Lenkfunktion beeinträchtigt werden. Betroffen sind die VW-Modelle Tiguan, Touran, Golf, Golf Variant und Caddy aus den Produktionsjahren 2013 bis 2024, dazu der Audi Q3 sowie die Seat-Modelle Ateca und Tarraco.
Weltweit betrifft der Rückruf laut Kraftfahrt-Bundesamt fast 2,16 Millionen VW- und knapp 700.000 Audi-Fahrzeuge, in Deutschland zusammen rund eine Million. Personen- oder Sachschäden seien bislang nicht bekannt geworden. Die Reparatur in der Werkstatt soll bis zu einer Stunde dauern.
Warum die Aktie kaum reagiert
Der ausbleibende Kurseffekt hat einen einfachen Grund: Die VW-Vorzugsaktie hatte bereits deutlich verloren, nachdem der Konzern seine Jahresprognose gesenkt hatte – ein Einbruch von rund 5,6 Prozent an einem einzigen Tag, der auch die gesamte Branche mit nach unten zog. Der Rückruf selbst gilt an den Märkten offenbar als überschaubares Risiko im Vergleich zu den strukturellen Baustellen des Konzerns.
Und die sind größer: Im Juli und August verkaufte Volkswagen jeweils rund drei Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr, bei der Tochter Porsche fiel der Rückgang im August sogar zweistellig aus. Chinesische Hersteller drücken mit aggressiver Preispolitik und breiterer Modellpalette zusätzlich auf die Margen im E-Segment.
Der Blick auf die kommende Woche
Entscheidender als der Rückruf dürfte der 30. September werden. Dann treffen sich in Hannover Vertreter von Konzern, IG Metall und Betriebsrat zu einem Überprüfungsgespräch über den Zukunftstarifvertrag von 2024. Im Kern geht es darum, ob Volkswagen die darin zugesagten Beschäftigungsgarantien einhält, während gleichzeitig weitere Stellenstreichungen und Werksschließungen zwischen 2031 und 2034 im Raum stehen.
Der Aufsichtsrat hat dem Restrukturierungsplan von Konzernchef Oliver Blume bereits grundsätzlich zugestimmt. Offen bleiben die US-Strategie, eine mögliche eigene Audi-Produktion in Nordamerika und die Frage, wie stark die Kapazitäten in China und Deutschland tatsächlich schrumpfen. An diesen Themen entscheidet sich, wie belastbar der Kurs bei anhaltendem Druck aus der Autoindustrie wirklich ist – der Rückruf spielt dabei nur eine Nebenrolle.
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