Die Verhandlungen der Volkswagen AG über ein strategisches Gemeinschaftsunternehmen in Indien stehen vor einer schweren Hürde. Der indische Mischkonzern JSW Group fordert Medienberichten zufolge, dass der Wolfsburger Autokonzern eine umstrittene Steuernachforderung in Höhe von 1,4 Milliarden US-Dollar vollständig allein übernimmt. Ohne eine verbindliche Freistellung von dieser Altlast droht der indische Partner das Vorhaben platzen zu lassen.
Streit um Zolldeklarationen belastet Partnerwahl
Im Mittelpunkt des Konflikts steht ein Steuerbescheid der indischen Behörden aus dem Jahr 2024. Die dortige Finanzverwaltung wirft Volkswagen vor, zwischen 2012 und 2024 importierte Fahrzeug-Bausätze aus Deutschland, Tschechien und Ungarn falsch deklariert zu haben. Dadurch seien unzulässig niedrige Zollsätze in Anspruch genommen worden.
Volkswagen bestreitet die Vorwürfe, pocht auf die Einhaltung lokaler Gesetze und führt dazu eine Klage vor einem Gericht in Mumbai. Mit einer juristischen Entscheidung wird vor dem Jahresende allerdings nicht gerechnet.
Für JSW ist die Rechtsunsicherheit nicht hinnehmbar. Der Konzern verhandelt über einen Einstieg bei der nicht börsennotierten Konzerntochter Skoda Auto Volkswagen India.
Angestrebt wird eine Eigentümerstruktur von 51 zu 49 Prozent zugunsten des indischen Partners. Das geplante Gemeinschaftsunternehmen soll Personenwagen mit Verbrennungsmotoren sowie reinen Batterieantrieben und Hybridtechnologien für den indischen Markt und den Export entwickeln und bauen.
Obwohl bereits eine vorläufige Vereinbarung über die Rahmenbedingungen besteht, läuft derzeit die Bewertung und finanzielle Buchprüfung. Bis Dezember 2026 sollte eigentlich ein bindender Vertrag stehen. Zusätzliche Unruhe bringt der Abgang von Škoda-Chef Klaus Zellmer, der zu Volvo Cars wechselt.
Schwache Kursentwicklung spiegelt globale Risiken
Am Aktienmarkt schlägt sich die Unsicherheit über die globale Aufstellung deutlich nieder. Am Donnerstag sank das Papier um 1,8 Prozent auf einen Schlusskurs von 71,46 Euro. Seit Jahresanfang verzeichnet die Aktie damit ein Minus von 31 Prozent. Der Ausbau der Marktpräsenz auf dem Subkontinent gilt als strategisch wichtig, nachdem vorangegangene Verhandlungen mit dem heimischen Hersteller Mahindra & Mahindra vor zwei Jahren scheiterten.
Parallel dazu sucht Volkswagen auf anderen Auslandsmärkten nach Impulsen. In China startete das Unternehmen den Vorverkauf einer neuen Elektro-Limousine, die gemeinsam mit dem Partner Xpeng entwickelt wurde. Zudem beförderte die Unternehmenstochter MOIA America in Orlando am Donnerstag im Rahmen eines Pilotprojekts mit dem Mobilitätsdienstleister Beep erstmals Passagiere in autonomen Fahrzeugen auf drei festen Testrouten.
Strategischer Umbau unter Zeitdruck
Die Verzögerung in Indien fällt in eine ohnehin anspruchsvolle Phase der Neuausrichtung. Der Konzern arbeitet an einer tiefgreifenden Restrukturierung seines Produktionsnetzwerks und seiner Kapazitäten.
Zugleich verschieben sich die Fertigungsschwerpunkte auf dem Heimatmarkt: Während im Stammwerk Wolfsburg die Jahresproduktion bei Verbrennern wie dem Golf und dem Tiguan zurückgefahren wird, erhöhen die Standorte Emden und Zwickau kurzfristig ihre Taktraten für Elektromodelle.
Ob der erhoffte Durchbruch in Indien noch im laufenden Jahr gelingt, hängt nun maßgeblich davon ab, wie Wolfsburg mit dem milliardenschweren Steuerrisiko umgeht.
Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 25. September liefert die Antwort:
Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 25. September erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
