Volkswagen reagiert auf den anhaltenden Einbruch im chinesischen Markt mit einer neuen Exportoffensive. Wie die Welt berichtete, will der Konzern in China entwickelte Modelle wie den ID.Era und den ID.Unyx künftig verstärkt in Länder des sogenannten Globalen Südens exportieren, darunter Südostasien und Südamerika. Ziel ist es, die Auslastung der chinesischen Werke zu stützen, nachdem der Konzern dort bereits drei Standorte geschlossen hat.
Absatzkrise in China treibt Kurswechsel
Hintergrund der Strategie „In China for China“ ist eine sich verschärfende Absatzkrise. Medienberichten zufolge sind die Auslieferungen im zweiten Quartal um über 30 Prozent eingebrochen, während lokale Wettbewerber wie Xiaomi und BYD kontinuierlich Marktanteile gewinnen.
Für einen Konzern, der China lange als wichtigsten Wachstumsmarkt betrachtete, ist dieser Anteilsverlust ein strategisches Problem, das sich nicht mehr allein mit Modellpflege lösen lässt. Der Export chinesischer Fertigung in Drittmärkte soll nun helfen, Skaleneffekte zu erhalten, auch wenn der Heimatmarkt schwächelt.
Zusätzlichen Handlungsdruck erzeugt die Situation in Europa. Der Konzern bestätigte im Rahmen der Quartalsberichterstattung, dass die Fahrzeugproduktion am Audi-Werk in Brüssel eingestellt wurde, weil sich kein Investor für den Standort fand. Die Werksschließungen in China und die Aufgabe des belgischen Standorts zeigen, wie stark Volkswagen inzwischen an mehreren Fronten gleichzeitig Kapazitäten anpassen muss.
Joint Venture mit Rivian liefert Softwarebasis
Während der Konzern im Kerngeschäft kämpft, entwickelt sich das gemeinsam mit Rivian betriebene Joint Venture RV Tech zu einem relevanten Baustein der Softwarestrategie. Das Gemeinschaftsunternehmen, das an Zonen-Architekturen für künftige Fahrzeuggenerationen arbeitet, beschäftigt inzwischen mehr als 1.600 Mitarbeiter weltweit und setzt zur Beschleunigung der Software-Migration auf KI-Agenten.
Für Rivian selbst hat die Kooperation bereits erhebliches Gewicht: Der US-Partner meldete in seinem Quartalsbericht, dass rund 60 Prozent seines Software-Umsatzes aus der Zusammenarbeit mit Volkswagen stammen.
Auch auf der Zulieferseite zeigt sich, wie stark der Konzern auf etablierte Partner angewiesen bleibt. Eine Analyse der Lieferkette für den Audi Q6 e-tron auf der PPE-Plattform bestätigt CATL als Hauptlieferanten für Batteriezellen, während ZF, Denso und Bosch Fahrwerks- und Elektronikkomponenten liefern.
Kurs bleibt unter Druck
An der Börse spiegelt sich die schwierige Lage seit Monaten wider. Die Vorzugsaktie schloss am Dienstag bei 75,34 Euro und liegt damit fast 31 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 109,10 Euro, das im Dezember erreicht wurde.
Seit Jahresbeginn steht ein Kursverlust von 27,66 Prozent zu Buche. Berenberg Research hatte das Kursziel für die Vorzugsaktie nach den Zahlen zum zweiten Quartal Ende Juli von 113 auf 100 Euro gesenkt, was den Abstand zwischen Analystenerwartung und aktuellem Kursniveau verdeutlicht.
Nach welchen weiteren Details Anleger nun schauen müssen, dürfte sich am 29. Oktober zeigen: Dann veröffentlicht Volkswagen die Ergebnisse für das dritte Quartal 2026, die erste belastbare Standortnahme dazu, ob die Exportstrategie für China bereits Wirkung zeigt.
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