VW, Mercedes und BMW verlieren international Boden — und eine aktuelle EY-Analyse zeigt, wie groß der Abstand zur Konkurrenz inzwischen geworden ist. Während US-Hersteller im ersten Quartal 2026 ihre operativen Gewinne fast verdoppelten, gehen die deutschen Premiumkonzerne in die entgegengesetzte Richtung.
Umsatz und Gewinn unter Druck
Die Umsätze der drei deutschen Hersteller sanken im ersten Quartal um 4,3 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Das Gesamtfeld der 19 größten Automobilhersteller weltweit legte im gleichen Zeitraum um 1,7 Prozent zu. Europäische Konkurrenten wie Stellantis und Renault kamen auf ein Plus von 6,7 Prozent.
Beim operativen Ergebnis ist die Lücke noch deutlicher. Der Ebit der deutschen Hersteller fiel um 23,3 Prozent. Ford, General Motors und Tesla erzielten im gleichen Quartal ein Gewinnplus von 82,9 Prozent — begünstigt durch die Abschirmung des US-Heimmarkts und teilweise zurückgezahlte Einfuhrzölle.
EY-Autoexperte Constantin Gall benennt die strukturellen Ursachen klar: wegfallende Auslandsmärkte, teure Überkapazitäten, hohe Software-Investitionen und ein schleppender Hochlauf der Elektromobilität belasten die Ergebnisse. Kein Wunder, dass Anleger die Lage kritisch beäugen.
China bleibt das größte Problem
Besonders schmerzhaft ist die Entwicklung in China. Die deutschen Autobauer verbuchten dort im ersten Quartal einen Absatzrückgang von 16 Prozent. Der Markt ist intensiv umkämpft, hochpreisige Fahrzeuge verkaufen sich bei schwacher Konjunktur schlecht, und im wachsenden Elektrosegment greifen chinesische Verbraucher klar zu heimischen Marken. Für westliche Hersteller ist dort derzeit wenig zu holen.
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Umbau als Gegengewicht
Volkswagen setzt unterdessen auf einen Konzernumbau in bisher ungekannter Größenordnung. Im spanischen Werk Martorell ist die Produktion des ID. Polo und des Cupra Raval angelaufen — bezahlbare Elektrokleinwagen, mit denen VW das Einstiegssegment zurückgewinnen will. Der ID. Polo startet in Deutschland bei 24.995 Euro.
Parallel läuft der geplante Verkauf von Everllence, der ehemaligen MAN-Motorensparte. Mehrere Finanzinvestoren haben verbindliche Angebote abgegeben, der Deal soll zwischen 8 und 9 Milliarden Euro einbringen — Kapital, das direkt in die Elektrostrategie fließen soll. Ferner hat VW seinen Anteil am US-Elektroautobauer Rivian auf über 15 Prozent ausgebaut und ist damit zum größten Einzelaktionär aufgestiegen. Ziel ist eine gemeinsame Elektronik-Architektur für künftige Modelle.
Der Umbau nimmt Fahrt auf, die strukturellen Gegenwinде bleiben jedoch real. Ob die neuen Modelle und der Verkaufserlös aus Everllence schnell genug Wirkung entfalten, entscheidet sich in den kommenden Quartalen — spätestens wenn die China-Zahlen für das zweite Quartal vorliegen.
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