Volkswagen sendet derzeit ein widersprüchliches Bild an den Markt: Auf der einen Seite überraschen starke Cashflow-Zahlen, auf der anderen blockiert der US-Handelskonflikt zentrale Wachstumspläne und das China-Geschäft schwächelt. Wie stabil ist die aktuelle Erholung der Volkswagen Aktie wirklich?
US-Strategie auf der Bremse
Konzernchef Oliver Blume hat im Interview mit dem Handelsblatt klargestellt, dass die Pläne für ein Audi-Werk in den USA vorerst gestoppt sind. Hintergrund sind die von der Trump-Administration verhängten Autozölle, die den Konzern stark belasten.
Allein in den ersten neun Monaten 2025 summierten sich die Zollkosten auf 2,1 Milliarden Euro. Blume machte deutlich, dass unter diesen Rahmenbedingungen eine große Zusatzinvestition in ein neues US-Werk nicht darstellbar ist. Statt Expansion dominiert damit Kostenkontrolle.
Die wichtigsten Eckpunkte der US-Positionierung:
- Audi produziert derzeit keine Fahrzeuge in den USA
- Geprüfte Standorte: Tennessee und South Carolina
- In South Carolina besitzt der Konzern bereits ein großes Grundstück
- Das frühere Ziel von 10 % US-Marktanteil wurde aufgegeben
- Aktueller Marktanteil der Gruppe in den USA: rund 4 %
Damit rückt eine starke lokale Fertigung in den USA zunächst in weite Ferne – ein strategischer Rückschritt in einem Markt mit hoher politischer Unsicherheit.
Cashflow überrascht positiv
Parallel zu den Zollbelastungen setzte Volkswagen zuletzt einen deutlichen finanziellen Akzent: Der Netto-Cashflow der Automobilsparte lag 2025 bei rund 6 Milliarden Euro. Das ist etwa eine Milliarde Euro mehr als im Vorjahr und deutlich über der internen Erwartung von null.
Die Börse reagierte prompt: Am 22. Januar legte die Volkswagen Aktie um 4,6 % zu und führte den DAX an. Besonders bemerkenswert: Selbst Analysten von Jefferies zeigten sich vom Ausmaß der positiven Abweichung überrascht.
Im aktuellen Kursbild spiegelt sich diese Erholung wider:
- Aktueller Kurs: 104,75 €
- Plus rund 7,7 % in den vergangenen sieben Tagen
- Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 109,95 €: knapp 5 %
Gleichzeitig liegt die Aktie etwa 8 % über ihrem 200-Tage-Durchschnitt – ein Hinweis darauf, dass der Markt die jüngsten Finanzdaten durchaus honoriert, auch wenn der Titel auf Jahressicht (YTD) noch leicht im Minus liegt.
Investitionen werden fokussiert
Die mittelfristige Investitionsplanung wird spürbar verschlankt. Der Fünf-Jahres-Plan wurde bereits von ursprünglich 180 Milliarden Euro auf 160 Milliarden Euro gekürzt. Weitere Reduktionen vor der offiziellen Vorstellung im März sind möglich.
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Blume skizzierte eine klarere Priorisierung der Mittel:
- Europa bleibt der wichtigste Markt
- Rund 10 Milliarden Euro fließen in eine Batterieproduktion in Spanien
- Neue kompakte Elektrofahrzeuge unter den Marken VW, Cupra und Skoda
Statt breiter Expansion setzt der Konzern damit stärker auf ausgewählte Projekte mit direktem Bezug zur E-Mobilität und zum europäischen Kerngeschäft.
China schwächelt, Regionen verschieben sich
Neben den USA dämpft vor allem China den Ausblick. In einem Investorencall stellte das Management in Aussicht, dass die Gewinne aus dem China-Joint-Venture 2026 zunächst zurückgehen werden. Erst 2027 rechnet Volkswagen wieder mit einer Erholung.
Die Auslieferungszahlen 2025 unterstreichen die regionale Verschiebung: Weltweit blieben die Auslieferungen mit rund 4,73 Millionen Fahrzeugen stabil. Wachstum kam aus Europa und Südamerika, während China und Nordamerika Rückgänge verzeichneten. Die Ergebnisqualität hängt damit stärker an Europa – ein zusätzlicher Druckfaktor, wenn der Wettbewerb dort weiter zunimmt.
E-Mobilität bleibt Kernprojekt
Trotz Zollbelastungen, Sparprogramm und China-Schwäche hält Volkswagen an seiner Elektrostrategie fest. Die Auslieferungen von Elektrofahrzeugen blieben 2025 mit etwa 382.000 Einheiten stabil, was rund 8,1 % der Gesamtauslieferungen entspricht.
Für 2026 plant der Konzern einen deutlichen Schub:
- Mehr als 10 neue E-Modelle in China
- Mehrere globale Neuheiten, darunter
- der ID. Polo
- der ID. Cross als kompakter SUV
Die E-Offensive läuft damit weiter, wenn auch unter einem strikteren Investitionskorsett.
Fazit: Zwischen Finanzstärke und strategischen Bremsklötzen
Volkswagen präsentiert sich derzeit als Konzern mit robuster Finanzbasis, aber klaren strategischen Belastungen. Der starke Netto-Cashflow verschafft Luft und hat der Aktie zuletzt Rückenwind gegeben. Gleichzeitig bremsen Zölle in den USA, rückläufige Gewinne in China und ein gekürzter Investitionsplan den langfristigen Wachstumspfad.
Kurzfristig stützt die solide Liquidität die Bewertung, zumal der Kurs noch leicht unter dem Jahresanfangsniveau liegt. Entscheidend für die weitere Entwicklung wird sein, ob der Konzern 2026 die Kombination aus fokussierten Investitionen und ausgeweiteter Elektro-Modellpalette in echte Ergebnisverbesserungen, insbesondere in China und Nordamerika, übersetzen kann.
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