Der Volkswagen-Konzern verordnet sich eine beispiellose Schrumpfkur. Vorstandschef Oliver Blume will das Angebot bis zum Jahr 2030 halbieren und Produktionskapazitäten massiv abbauen. Die brisantesten Punkte klammert das Management bisher allerdings aus. Die Folge: steigende Nervosität bei Beschäftigten und Anlegern.
Modelle fallen weg
Der neue „Zukunftsplan“ zielt auf ein deutlich einfacheres Geschäft ab. VW baut weltweit aktuell rund 150 verschiedene Modelle. Diese Zahl soll in den kommenden Jahren auf etwa 75 Kernfahrzeuge sinken.
Parallel dazu streicht der Konzern die Ausstattungsvarianten um bis zu 75 Prozent zusammen. Das Ziel ist eine effizientere Fertigung mit drastisch sinkenden Kosten. Dafür senkt VW die jährliche Produktionskapazität auf neun Millionen Fahrzeuge. Vor der Pandemie lag dieses Limit noch bei zwölf Millionen Einheiten.
Tochterunternehmen bringt Milliarden
Volkswagen trennt sich von seiner Tochtergesellschaft Everllence und beschafft sich so frisches Kapital. Der Finanzinvestor Bain Capital übernimmt die Mehrheitsbeteiligung. Der Autobauer erhält aus dem Deal voraussichtlich 7,4 Milliarden Euro.
Der Abschluss der Transaktion ist für Ende 2026 geplant. Behörden und französische Arbeitnehmervertretungen müssen dem Schritt vorher noch zustimmen. Finanzvorstand Arno Antlitz stellte klar, dass diese Summe allein nicht ausreicht. Eine harte Umstrukturierung des Kernkonzerns bleibt für ihn zwingend notwendig.
Ultimatum an den Chef
Die gestrige Aufsichtsratssitzung lieferte keine formellen Beschlüsse zu möglichen Werksschließungen. Im Vorfeld kursierten Medienberichte über bis zu 100.000 gefährdete Arbeitsplätze. Demnach stehen die vier deutschen Standorte Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm auf dem Prüfstand.
Die Betriebsratsvorsitzende Daniela Cavallo reagierte mit scharfer Kritik. Sie stellte Vorstandschef Blume ein Ultimatum bis zum heutigen Freitag. Er soll die geplanten Einschnitte umgehend transparent machen.
Begleitet wird der Konflikt von landesweiten Streiks der IG Metall. Allein in Emden protestierten rund 1.500 Beschäftigte. In Wolfsburg zählte die Gewerkschaft etwa 500 Teilnehmer. Das Land Niedersachsen hält 20 Prozent am Autokonzern und lehnt Schließungen kategorisch ab.
Das Management arbeitet die genauen Sparmaßnahmen erst nach der Sommerpause aus. Der Aufsichtsrat trifft sich im September zur nächsten ordentlichen Sitzung. Zuvor liefert der heutige Freitag harte Fakten: Volkswagen veröffentlicht die Auslieferungszahlen für das abgelaufene zweite Quartal.
Die Tochtergesellschaft Porsche verkaufte im ersten Halbjahr bereits 16 Prozent weniger Autos. Die Auslieferungen sanken auf 122.306 Fahrzeuge.
Der Kernkonzern Volkswagen büßte zu Jahresbeginn vier Prozent ein. Das entsprach einem globalen Absatz von 2,05 Millionen Fahrzeugen. Fällt der aktuelle Quartalsbericht nun ebenfalls schwach aus, steigt der Handlungsdruck auf das Management massiv an.
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