Startseite » DAX » Volkswagen Aktie: 50.000 Stellen zum Sparkurs

Volkswagen Aktie: 50.000 Stellen zum Sparkurs

Volkswagen plant umfassenden Sparkurs mit bis zu 50.000 Stellenstreichungen und Halbierung des Modellportfolios. Zusätzlich erwägt der Konzern den Teilverkauf der Traton-Beteiligung.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Blume: Lage „mehr als kritisch“
  • Bis zu 50.000 Stellenstreichungen möglich
  • Modellportfolio soll auf 75 halbiert werden
  • Traton-Anteil soll reduziert werden

Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen, Oliver Blume, hat die aktuelle Situation des Wolfsburger Automobilkonzerns in einem internen Interview als „mehr als kritisch“ bezeichnet. Wie Reuters und die dpa gestern berichteten, verwies der Konzernchef dabei insbesondere auf die Verwaltungskosten, die bei VW um mehr als 30 % über dem Niveau der Wettbewerber lägen.

Parallel dazu verdichten sich Medienberichten zufolge die Anzeichen für einen massiven Stellenabbau: Weltweit könnten demnach zusätzlich bis zu 50.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, um die Profitabilität des Konzerns zu sichern.

Drastischer Sparkurs und Portfolio-Bereinigung

Um der Kostenentwicklung entgegenzuwirken, plant das Management offenbar eine radikale Vereinfachung des operativen Geschäfts. Medienberichten zufolge soll das Modellportfolio von derzeit rund 150 Fahrzeugtypen auf künftig etwa 75 Modelle halbiert werden.

Ziel dieser Maßnahme ist es, sowohl die Komplexität in der Produktion als auch die damit verbundenen Kosten deutlich zu senken. Die Dringlichkeit des Umbaus spiegelt sich auch im Aktienkurs wider, der am Freitag bei 74,84 € aus dem Handel ging und seit Jahresbeginn einen Rückgang von 28 % verzeichnet.

In der kommenden Woche will sich Blume persönlich an die Belegschaft wenden. Er kündigte an, die Betriebsversammlung im E-Auto-Werk Zwickau zu besuchen, um über die Beschäftigungssicherung über das Jahr 2030 hinaus zu sprechen. Der Standort gilt als zentraler Baustein der Elektrostrategie, steht jedoch aufgrund der schwankenden Nachfrage unter Beobachtung.

Weitere Details zur Sanierung und mögliche Werksschließungen an deutschen Standorten wie Emden, Hannover oder Neckarsulm dürften am 4. September im Fokus stehen, wenn der Aufsichtsrat zu einer richtungsweisenden Sitzung zusammenkommt.

Strategische Partnerschaften und Kapitalmaßnahmen

Neben internen Einsparungen setzt Volkswagen auf externe Partnerschaften und Portfoliomanagement, um frische Mittel zu generieren. Am Donnerstag wurde bekannt, dass der Konzern anstrebt, noch im Laufe des Jahres 2026 eine strategische Partnerschaft in Indien final zu besiegeln. Dies soll die Marktposition in der Wachstumsregion stärken. Zudem treibt die VW-Tochter Elli den Ausbau ihrer Infrastruktur voran und verlängerte die Zusammenarbeit mit dem Softwareanbieter Powercloud.

Zur Stärkung der Liquidität plant Volkswagen zudem den Teilverkauf seiner Beteiligung an der Lkw-Tochter Traton SE. Wie Bloomberg am 14. August berichtete, soll der Anteil von aktuell 87,5 % auf 75 % plus eine Aktie reduziert werden. Dieser Schritt könnte dem Mutterkonzern liquide Mittel im Milliardenbereich einbringen.

Die finanzielle Basis des Konzerns war zuletzt unter Druck geraten; die bereits vor rund einem Monat kommunizierte gesenkte Prognose für die Tochter Audi sowie Schwächen im China-Geschäft belasteten die Bilanz des zweiten Quartals. Der Gewinn je Aktie für das erste Halbjahr wurde am 10. August mit 2,56 EUR bestätigt, was deutlich unter dem Vorjahreswert von 4,34 EUR liegt.

Einschätzung der Analysten

Trotz der operativen Herausforderungen gibt es am Markt auch optimistische Stimmen bezüglich der langfristigen Substanz. Die Analysten von RBC stuften das Papier am 14. August auf „Outperform“ ein. Zwar senkte das Haus das Kursziel geringfügig von 121 EUR auf 120 EUR, sieht damit aber weiterhin erhebliches Potenzial gegenüber dem aktuellen Niveau.

Der Titel weist derzeit einen Abstand von 31 % zum 52-Wochen-Hoch auf, das Mitte Dezember des vergangenen Jahres erreicht wurde. Anleger warten nun gespannt auf die konkreten Beschlüsse der Aufsichtsratssitzung Anfang September, die als Gradmesser für die Durchsetzungsfähigkeit der angekündigten Sparmaßnahmen gilt.

Anzeige

Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 22. August liefert die Antwort:

Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 22. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.

Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...

Diskussion zu Volkswagen

Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.