Der Machtkampf bei Volkswagen eskaliert. Der Aufsichtsrat hat den Sparplan von Konzernchef Oliver Blume gestoppt. Jetzt drohen bis zu 100.000 Jobs weltweit.
Machtkampf im Aufsichtsrat
Der Aufsichtsrat lehnte Blumes „Zukunftsplan“ am Donnerstag, 9. Juli 2026, deutlich ab. Zwölf Stimmen votierten gegen den Plan, nur sieben dafür. Vor allem Arbeitnehmervertreter und das Land Niedersachsen blockierten das Vorhaben.
Am Montag reagierte Blume mit einer internen Mitteilung. Er nannte erstmals konkrete Zahlen zum Sparzwang. Zu den bereits vereinbarten 50.000 Stellenstreichungen in Deutschland könnten weltweit weitere 50.000 Jobs hinzukommen.
Vier Werke ohne Zukunftsgarantie
Besonders kritisch ist die Lage an vier deutschen Standorten. Für Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm kann der Konzern keine sichere Auslastung für die 2030er-Jahre garantieren. Der Grund: ein Gemeinkostennachteil von rund 20 Prozent gegenüber der Konkurrenz.
Der Vorstand will die Produktionskapazität deutlich senken. Statt zwölf Millionen Fahrzeuge pro Jahr peilt Volkswagen künftig nur noch neun Millionen an. Damit will der Konzern die teuren Überkapazitäten in Europa abbauen.
Absatzkrise in China verschärft den Druck
Die schwachen Verkaufszahlen erhöhen den Druck auf das Management zusätzlich. Im zweiten Quartal 2026 sanken die weltweiten Auslieferungen um 8,6 Prozent. Der Konzern verkaufte noch rund 2,1 Millionen Fahrzeuge.
Auf dem wichtigsten Markt China brachen die Verkäufe um 36,6 Prozent ein.
Auch beim Elektroauto-Geschäft verliert Volkswagen an Boden. In Europa legte der Absatz leicht zu. In den USA brachen die Auslieferungen von Elektroautos um 69 Prozent ein, in China um fast 48 Prozent.
In den USA belasteten vor allem das Auslaufen staatlicher Förderprogramme und die restriktive Zollpolitik die Nachfrage.
Aktie nahe am Jahrestief
Die Volkswagen-Aktie spürt die Unsicherheit deutlich. Am Montag schloss das Papier bei 71,36 Euro, nach einem Verlust von 5,98 Prozent binnen sieben Handelstagen.
Das liegt nur rund drei Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 69,20 Euro. Das Tief wurde erst am 1. Juli markiert.
Auf Monatssicht verlor die Aktie gut 21 Prozent, seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf knapp 33 Prozent.
Der RSI von 31,3 deutet auf eine nahezu überverkaufte Lage hin. Zum 200-Tage-Durchschnitt von 93,68 Euro fehlen der Aktie fast 24 Prozent.
Entscheidung erst im September
Die Fronten zwischen Management und Belegschaft sind verhärtet. IG Metall und Betriebsrat warnen vor einem Angriff auf das VW-Gesetz und die Mitbestimmungsrechte. Sie befürchten, dass der Vorstand Strukturreformen gegen den Aufsichtsrat durchsetzen könnte.
Die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung ist erst für September 2026 geplant. Bis zu diesem Termin bleibt die strategische Ausrichtung ungeklärt. Ob der Vorstand den Weg über eine außerordentliche Hauptversammlung sucht, ist offen.
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