Die Lage beim Automobilhersteller Volkswagen spitzt sich am heutigen Donnerstag weiter zu. Inmitten laufender Krisengespräche forderte der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat Olaf Lies die Vorlage eines tragfähigen Zukunftskonzepts für den Konzern.
Lies lehnte Werksschließungen und massenhafte Entlassungen als alleinige Lösung ab. Vorstandschef Oliver Blume begründete die Notwendigkeit eines verschärften Sparkurses mit dem enormen Druck auf die gesamte Automobilindustrie, der insbesondere durch die Konkurrenz in China und mögliche US-Zölle befeuert werde.
Massiver Stellenabbau im Management geplant
Nach Berichten über weitreichende Einschnitte konkretisieren sich die Pläne für die Verwaltung des Konzerns. Im Management sollen demnach rund 25 Prozent der Stellen wegfallen, was jede vierte Position betreffen würde.
Global könnten im Zuge der Restrukturierung bis zu 50.000 Arbeitsplätze bedroht sein. Experten wie Stefan Bratzel mahnen an, dass das Unternehmen nun einen technologischen und strukturellen Quantensprung vollziehen müsse, um seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.
An der Börse zeigt sich die Aktie am heutigen Donnerstag mit einem Kurs von 72,94 Euro und einem leichten Plus von 0,7 Prozent stabilisiert. Die längerfristige Bilanz bleibt jedoch deutlich eingetrübt: Seit Jahresbeginn hat das Papier rund 30 Prozent an Wert verloren.
Diese Entwicklung spiegelt die tiefe Verunsicherung der Anleger wider, die auch durch die Situation beim Großaktionär Porsche SE belastet wird. Die Beteiligungsgesellschaft hatte bereits vor rund zwei Wochen eine massive Wertberichtigung in Höhe von drei Milliarden Euro auf ihre Beteiligung vorgenommen.
Ungewissheit an mehreren deutschen Standorten
Besonders prekär stellt sich die Lage für die Beschäftigten in den Werken Zwickau, Emden, Hannover und Neckarsulm dar. Auf einer Betriebsversammlung am gestrigen Mittwoch in Zwickau erhielten die rund 8.000 Mitarbeiter keine konkreten Zusagen für die Zeit nach 2030. Die IG Metall kritisierte, dass entscheidende Fragen zur Zukunft der Standorte unbeantwortet geblieben seien. Der Betriebsrat hat unterdessen Versammlungen an insgesamt neun Standorten einberufen, um über die Tragweite der drohenden Maßnahmen zu informieren.
Parallel zu den personellen Einschnitten passt Volkswagen seine globalen Kapazitäten an. Das ursprüngliche Ziel von zwölf Millionen Fahrzeugen wurde bereits auf neun Millionen Einheiten gesenkt, wobei für den europäischen Markt eine weitere Reduktion um 500.000 Fahrzeuge erwogen wird.
Am 4. September soll der Aufsichtsrat zusammenkommen, um über die strategische Neuausrichtung und die geforderten Konzepte zu beraten. Ziel der Gespräche ist es, eine Perspektive für die bedrohten Standorte zu entwickeln und die Kostenstruktur nachhaltig zu verbessern.
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