Oliver Blume will VW in Rekordtempo umbauen. Laut Medienberichten plant der Vorstandschef, die Stellenstreichungen von 50.000 auf bis zu 100.000 Jobs zu verdoppeln — bis 2030. Am 9. Juli entscheidet der Aufsichtsrat.
Werksschließungen und Modellhalbierung
Vier Traditionsstandorte stehen zur Disposition: die Werke in Hannover, Zwickau und Emden sowie der Audi-Standort in Neckarsulm. Blume hatte am 18. Juni erklärt, das aktuelle Geschäftsmodell funktioniere wegen mangelnder Profitabilität nicht mehr.
Parallel plant VW, die Investitionen um rund 15 Prozent auf 130 bis 135 Milliarden Euro zu kürzen. Obendrein prüft der Konzern, die Modellpalette von 150 auf 75 bis 100 Typen zu halbieren. Weniger Varianten, weniger Komplexität — das ist das Kalkül.
Beteiligungen und Desinvestitionen
Auch das Portfolio steht auf dem Prüfstand. VW erwägt, seinen Traton-Anteil von 87 auf 75 Prozent zu senken. Ducati und der Autovermieter Europcar könnten ebenfalls verkauft werden.
Citi-Analysten beziffern allein den Wert der VW-Anteile an Porsche und Traton auf rund 44 Milliarden Euro. Das liegt deutlich über der aktuellen Marktkapitalisierung des Gesamtkonzerns — ein Zeichen, wie tief das Vertrauen der Anleger gesunken ist.
Belegschaft unter Druck, Kurs im freien Fall
In den Werken wächst die Unruhe. Carsten Büchling, Betriebsratschef des Kasseler Werks in Baunatal mit 15.000 Beschäftigten, spricht von einem „Kommunikationsdesaster“. Ursprünglich geltende Standortgarantien bis 2030 stehen nun infrage.
Um die deutschen Werke auszulasten, prüft VW die Produktion von China-Modellen für den europäischen Markt. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterstützt diesen Ansatz.
Die Aktie spiegelt die Vertrauenskrise direkt wider. Mit 69,82 Euro markierte das Papier am Mittwoch ein neues 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus 34 Prozent. Der RSI liegt bei 18,6 — technisch massiv überverkauft, fundamental aber ohne klaren Boden.
Stimmt der Aufsichtsrat am 9. Juli nicht zu, könnte Blume eine außerordentliche Hauptversammlung im August einberufen, um die Pläne durchzusetzen. Dann würde aus einer Restrukturierung ein offener Machtkampf.
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