Oliver Blume nennt erstmals konkrete Zahlen. In einem internen Memo warnt der VW-Chef vor bis zu 50.000 zusätzlichen Stellenstreichungen weltweit. Zusammen mit bereits geplanten Kürzungen könnten bis 2030 rund 100.000 Jobs wegfallen.
Die Aktie notiert aktuell bei 71,60 Euro, ein Plus von 0,34 Prozent gegenüber dem Vortag. Der Kurs bleibt damit nur 3,47 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief. Seit Jahresbeginn hat das Papier über 32 Prozent verloren.
Vier Werke ohne Zukunftsperspektive
Blume begründet den harten Schnitt mit den Kosten. Die Gemeinkosten des Konzerns liegen rund 20 Prozent über dem Branchendurchschnitt. Das soll sich ändern.
Vier deutsche Standorte stehen im Fokus: Emden, Hannover, Zwickau und der Audi-Standort Neckarsulm. Für keinen dieser Werke gibt es laut Blume eine gesicherte Auslastung für die 2030er Jahre. In Neckarsulm laufen die Modelle A5 und A6 aus. Nachfolgemodelle fehlen bisher.
Der Konzern prüft mehrere Auswege. Im Gespräch sind Werksverkäufe, Kooperationen mit anderen Herstellern oder die Fertigung chinesischer Modelle. Das Ziel: Europas Produktionskapazität um rund 500.000 Einheiten senken, ohne die Werke komplett zu schließen.
Katar blockiert Rüstungsdeal in Osnabrück
Besonders verzwickt ist die Lage in Osnabrück. Volkswagen hatte Ende April eine Absichtserklärung mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael unterzeichnet. Geplant war die Fertigung von Komponenten für das Raketenabwehrsystem „Iron Dome“. Der Deal sollte die Auslastung des Werks nach dem Ende der T-Roc-Cabrio-Produktion Mitte 2027 sichern.
Jetzt legt sich der drittgrößte VW-Aktionär quer. Der katarische Staatsfonds Qatar Investment Authority hält 10,4 Prozent des Aktienkapitals und 17 Prozent der Stimmrechte. Berichten zufolge hat der Fonds ein Veto gegen den Deal eingelegt — die politischen Spannungen zwischen Katar und Israel gelten als Hintergrund.
Rafael prüft deshalb bereits eine Verlagerung der Produktion nach Indien. Für die rund 2.300 Beschäftigten in Osnabrück wächst die Unsicherheit. Das Land Niedersachsen hat als Reaktion eine direkte Beteiligung am Standort ins Spiel gebracht. Eine Entscheidung darüber wird bis Ende 2026 erwartet.
Traton liefert positive Zahlen — mit Haken
Nicht alles läuft schlecht für den Konzern. Die Nutzfahrzeugtochter Traton erzielte im zweiten Quartal 2026 ein bereinigtes operatives Ergebnis von 957 Millionen Euro und übertraf damit die Erwartungen deutlich. Die operative Umsatzrendite lag bei 8,1 Prozent.
Ein genauerer Blick relativiert die Freude allerdings. Der starke Beitrag der US-Tochter International Motors stammt größtenteils aus zusätzlichen tarifbezogenen Forderungen — diese wirkten sich nicht auf den Cashflow aus. Der Netto-Cashflow von Traton Operations lag bei minus 18 Millionen Euro und blieb damit unter den Erwartungen des Marktes.
China bleibt eine offene Wunde
Der wichtigste Auslandsmarkt bereitet weiter Kopfschmerzen. Die Auslieferungen in China sanken im ersten Halbjahr 2026 um 26,1 Prozent auf 971.000 Fahrzeuge. Das ist das schwächste Halbjahresergebnis seit 16 Jahren.
Weltweit ging der Absatz um 6,3 Prozent auf 4,13 Millionen Fahrzeuge zurück, Lkw und Busse eingerechnet. Der Aktienkurs spiegelt diese Schwäche wider: Mit 71,60 Euro liegt das Papier rund 14 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt und knapp 23 Prozent unter dem 200-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 32,3 signalisiert einen überverkauften Bereich, ohne dass sich daraus bereits eine Trendwende ableiten lässt.
Die kommenden Monate entscheiden über mehrere Fronten gleichzeitig. Bis Ende 2026 fällt die Entscheidung über die Niedersachsen-Beteiligung in Osnabrück. Parallel muss Blume seine Restrukturierungspläne mit dem Betriebsrat und den Standortverantwortlichen konkretisieren — die Frage nach der Zukunft von Emden, Hannover, Zwickau und Neckarsulm bleibt bis dahin offen.
Volkswagen-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Volkswagen-Analyse vom 14. Juli liefert die Antwort:
Die neusten Volkswagen-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Volkswagen-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. Juli erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Volkswagen: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
