Voestalpine meldet den größten Einzelauftrag seiner Geschichte im Bereich Lagertechnik – die Aktie gibt trotzdem nach. Der Kursrückgang trotz operativer Erfolgsmeldung zeigt, wie stark derzeit makroökonomische Sorgen den Blick auf Einzeltitel prägen.
Am Freitag schloss die Aktie mit einem Minus von gut 2 % bei 38,76 Euro, obwohl bereits am Mittwoch ein prestigeträchtiger Großauftrag aus der Türkei bekanntgegeben wurde. Im Fokus steht damit der Gegensatz zwischen solider Auftragslage und wachsender Skepsis gegenüber zyklischen Industrieunternehmen.
Rekordauftrag in Istanbul
Am 15. Januar verkündete Voestalpine einen neuen Großauftrag für die Metal Forming Division im Segment Lagertechnik. In Istanbul entsteht ein vollautomatisches Hochregallager-System für ein modernes Logistikzentrum.
Die wichtigsten Eckdaten:
- Auftragsvolumen: 41 Millionen Euro
- Standort: Istanbul, Türkei
- Segment: Metal Forming Division – Lagertechnik
- Geplante Fertigstellung: April 2027
Laut Vorstandsmitglied Carola Richter ist Voestalpine in diesem Marktsegment gut positioniert und zunehmend auch außerhalb Europas gefragt.
Zusätzlich zum Türkei-Auftrag laufen weitere Großprojekte, die die Stellung im Lagertechnikgeschäft untermauern. Dazu zählen zwei 45 Meter hohe Hochregallager für das Distributionszentrum des Möbelhändlers JYSK in den Niederlanden sowie ein 30 Meter hohes vollautomatisches Palettenregalsystem für einen britischen Einzelhändler.
Im Geschäftsjahr 2024/25 erzielte die Metal Forming Division einen Umsatz von 3,1 Milliarden Euro und ein EBITDA von 169,3 Millionen Euro. Der neue Auftrag reiht sich damit in eine bereits gut ausgelastete Projektpipeline ein.
Kursrückgang trotz starker Pipeline
Trotz dieser positiven Meldungen geriet die Aktie am Freitag unter Druck. Die Daten im Überblick:
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- Schlusskurs: 38,76 Euro
- Tagesveränderung: -2,2 %
- Tageshoch: 39,66 Euro
- Tagestief: 38,34 Euro
- Handelsvolumen: 264.687 Stück
Das erhöhte Volumen signalisiert, dass Teile des Marktes die starke Kursentwicklung der vergangenen zwölf Monate zur Gewinnmitnahme genutzt haben. Im Januar 2025 hatte die Aktie noch bei rund 17 Euro notiert – seither hat sich der Kurs mehr als verdoppelt.
Der Rückgang fügt sich in ein schwächeres Bild bei zyklischen Industriewerten ein. Auch andere österreichische Industrieaktien wie Wienerberger verzeichneten Abgabedruck, was die Rolle allgemeiner Konjunktursorgen unterstreicht.
Charttechnik und Analystenblick
Mit dem Rutsch unter 39 Euro hat sich das kurzfristige technische Bild eingetrübt. Im Vordergrund steht nun die Unterstützungszone um 38,50 Euro, die zuletzt mehrfach angelaufen wurde und aus Marktsicht eine erste wichtige Haltelinie darstellt.
Auf der Fundamentalseite bleibt der Analystenkonsens überwiegend positiv. Mehrere große Häuser sehen den fairen Wert klar über dem aktuellen Kurs:
- Deutsche Bank: Buy, Kursziel 44,00 Euro
- J.P. Morgan: Overweight, Kursziel 43,40 Euro
- Morgan Stanley: Overweight, Kursziel 40,70 Euro
- UBS: Buy, Kursziel 43,00 Euro
- Bank of America: Buy, Kursziel 41,00 Euro
- BNP Paribas Exane: Neutral, Kursziel 38,50 Euro
- Citi: Neutral, Kursziel 40,00 Euro
Die konservativste Einschätzung kommt von BNP Paribas Exane mit einem neutralen Votum und einem Kursziel nahe dem aktuellen Niveau. Insgesamt liegt der Schwerpunkt der Kursziele aber im Bereich von 41 bis 44 Euro.
Q3-Zahlen als nächster Test
Der nächste zentrale Termin ist der 11. Februar, wenn Voestalpine die Zahlen für das dritte Quartal 2025/26 vorlegt. Dann wird sich zeigen, wie robust die Ertragslage im aktuellen Konjunkturumfeld tatsächlich ist.
Bisher präsentiert sich der Konzern widerstandsfähig: Im ersten Halbjahr 2025/26 stieg das Ergebnis nach Steuern um 8,6 % auf 198,6 Millionen Euro. Die Prognose für das Gesamtjahr wurde mit einem EBITDA-Zielkorridor von 1,40 bis 1,55 Milliarden Euro bestätigt. Zudem liegt die Nettoverschuldung mit 1,47 Milliarden Euro per Ende September 2025 auf dem niedrigsten Stand seit zehn Jahren.
Die Kombination aus gut gefülltem Auftragsbuch in der Lagertechnik, bestätigter Ergebnisprognose und sinkender Verschuldung trifft damit auf einen Markt, der stark von Rezessionsangst geprägt ist – die Q3-Zahlen werden ein klareres Bild liefern, welche dieser Kräfte sich im weiteren Jahresverlauf durchsetzt.
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