Der Linzer Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine richtet seine Geschäftsaktivitäten verstärkt auf margenstärkere Verarbeitungsbereiche und Dekarbonisierungsprojekte aus.
Auf dem Kapitalmarkttag anlässlich der Branchenmesse InnoTrans in Berlin stellte das Management gestern seine Mittelfristziele vor. Gleichzeitig meldete das Unternehmen heute operative Fortschritte bei der Umstellung auf klimaschonendere Produktionsverfahren am Heimatstandort Linz.
Schienennetz als Ertragssäule
Im Zentrum der strategischen Weiterentwicklung steht der Bereich Railway Systems. Dessen Umsatz soll von zuletzt rund 2,2 Milliarden Euro bis zum Geschäftsjahr 2030/31 auf rund 3 Milliarden Euro anwachsen.
Getrieben wird diese Entwicklung vor allem durch weltweite Investitionen in die Schieneninfrastruktur und den Trend zu nachhaltiger Mobilität. Zu den jüngsten Stützen dieser Sparte zählt unter anderem ein Großauftrag für das Infrastrukturprojekt Rail Baltica mit einem Volumen von 470 Millionen Euro.
Neben dem Schienenverkehr plant der Konzern den gezielten Ausbau weiterer margenstarker Geschäftsfelder, darunter Luftfahrt, Lagertechnik sowie Rohre und Profile. Damit setzt sich eine langfristige Umstrukturierung fort: Der Anteil der Weiterverarbeitungsbereiche am Gesamtumsatz kletterte seit dem Börsengang im Jahr 1995 von etwa 20 Prozent auf mittlerweile 45 Prozent und soll in den kommenden Jahren weiter steigen.
Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2025/26 erwirtschaftete der Konzern bei einem Umsatz von 15,1 Milliarden Euro ein operatives Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 1,5 Milliarden Euro.
Wichtige Großkomponenten in Linz eingetroffen
Flankiert werden die Wachstumspläne durch das Dekarbonisierungsprogramm „greentec steel“. Am Standort Linz traf heute das Kernequipment für den neuen Elektrolichtbogenofen ein. Die Einzelkomponenten des Ofens mit einem Gesamtgewicht von rund 790 Tonnen wurden größtenteils auf dem Wasserweg angeliefert und stammen aus Fertigungen in Deutschland, Italien sowie der Türkei.
Das Gemeinschaftsprojekt mit dem Anlagenbauer Primetals Technologies liegt laut Vorstandschef Herbert Eibensteiner im Zeit- und Budgetplan. Zusammen mit einer baugleichen Anlage in Donawitz soll der Linzer Ofen im ersten Halbjahr 2027 den Betrieb aufnehmen und im Vollbetrieb jährlich rund 1,6 Millionen Tonnen CO2-reduzierten Stahl produzieren.
Bis 2029 will Voestalpine die eigenen Emissionen im Vergleich zu 2019 um bis zu 30 Prozent senken, was knapp 5 Prozent des gesamten österreichischen CO2-Ausstoßes entspricht.
Börsenbewertung spiegelt Konzernumbau wider
An der Börse wird die langfristige Neuausrichtung aufmerksam verfolgt. Die Aktie von Voestalpine, die bei einer Marktkapitalisierung von 7,87 Milliarden Euro gestern mit 45,62 Euro aus dem Handel ging, verzeichnet seit Jahresanfang ein Plus von 21 Prozent. Entscheidend für das Erreichen der gesetzten Renditeziele wird sein, wie reibungslos das stufenweise Hochfahren der beiden neuen Elektrostahlwerke ab dem kommenden Jahr gelingt.
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