Voestalpine hat am Mittwoch kräftig zugelegt: Die Aktie schloss bei 45,80 Euro und damit 3,9 Prozent höher als am Vortag. Eine unternehmensspezifische Nachricht, die den Sprung erklären würde, lässt sich für diesen Handelstag nicht ausmachen. Der Kurs bewegte sich damit auf Höhe seines 50-Tage-Durchschnitts von 44,40 Euro, was auf eine intakte kurzfristige Aufwärtstendenz hindeutet, blieb aber weiterhin unter dem 52-Wochen-Hoch von 49,22 Euro.
Solide Zahlen liefern das fundamentale Fundament
Der Rückenwind dürfte weniger aus einer Einzelmeldung als aus der Summe der zuletzt veröffentlichten Geschäftszahlen stammen. Voestalpine hatte Anfang August die Ergebnisse für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2026/27 vorgelegt: Der Umsatz stieg um 2,4 Prozent auf vier Milliarden Euro, das EBIT verbesserte sich um 78,8 Prozent auf 307 Millionen Euro.
Der Gewinn nach Steuern kletterte um 84,6 Prozent auf 196 Millionen Euro. Der Konzern bestätigte dabei seinen Ausblick für das laufende Geschäftsjahr mit einem erwarteten EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro.
Auch die Bilanzstruktur hat sich sichtbar verbessert: Die Nettofinanzverschuldung sank binnen eines Jahres um 28,7 Prozent auf rund eine Milliarde Euro, während das Eigenkapital auf acht Milliarden Euro anwuchs.
Ein Einmaleffekt aus dem Verkauf des Geschäftsbereichs BÖHLER Profil an Kadant Inc. trug mit rund 150 Millionen Euro zum freien Cashflow von 224 Millionen Euro bei – dieser Effekt war bereits vor Wochen bekannt und dürfte die aktuelle Bewegung nicht mehr treiben.
Analysten sehen weiteres Potenzial
Die Erste Group bestätigte am 7. August ihr Rating „Accumulate“ für Voestalpine mit einem Kursziel von 55,00 Euro – nach den jüngsten Quartalszahlen ein klares Signal, dass die Wiener Analysten dem Stahlkonzern noch Luft nach oben zutrauen.
Von den aktuellen Kursniveaus aus würde dieses Ziel einen weiteren zweistelligen Aufschlag bedeuten. Bereits im Sommer hatte JPMorgan seine Einschätzung von „Underweight“ auf „Overweight“ angehoben und das Kursziel von 40 auf 50 Euro erhöht, wenngleich diese Entscheidung inzwischen einige Wochen zurückliegt.
Mit einem Kursplus von 21 Prozent seit Jahresbeginn und 63 Prozent auf Zwölfmonatssicht hat die Aktie einen beachtlichen Weg zurückgelegt. Der Abstand zum 52-Wochen-Tief von 27,62 Euro beträgt inzwischen 66 Prozent – ein Zeichen dafür, wie stark sich die Stimmung gegenüber dem vergangenen Herbst gedreht hat.
Auftragslage und Branchenumfeld stützen die Story
Zur positiven Grundstimmung trägt auch bei, dass Voestalpine im Schienengeschäft zuletzt einen der größten Einzelaufträge der Unternehmensgeschichte im Rahmen des Rail-Baltica-Projekts an Land ziehen konnte – ein Auftrag über 470 Millionen Euro für eine neue Hochleistungsstrecke, der bereits vor einigen Wochen bekannt wurde und die Wachstumsperspektiven im Bereich Railway Systems unterstreicht.
Das Branchenumfeld bleibt dabei durchwachsen: Die deutsche Stahlproduktion lag im ersten Halbjahr trotz eines Anstiegs um neun Prozent noch unter dem Vorkrisenniveau, während die Nachfrage aus Bau- und Automobilindustrie schwach blieb. Dass Voestalpine sich in diesem Umfeld operativ deutlich verbessern konnte, dürfte für Anleger der eigentliche Grund sein, warum die Aktie trotz fehlender Tagesnachricht weiter Zuspruch findet.
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