Der österreichische Stahl- und Technologiekonzern Voestalpine blickt trotz eines volatilen Marktumfelds zuversichtlich auf das laufende Geschäftsjahr 2026/27. Im Rahmen des jüngsten Transkripts zum ersten Quartal bekräftigte das Management am vergangenen Montag die Prognose für das operative Ergebnis (EBITDA) in einer Spanne zwischen 1,6 Milliarden und 1,85 Milliarden Euro.
Stabile Guidance und Erwartungen am Stahlmarkt
Während die Branche mit globalen Unsicherheiten kämpft, setzt Voestalpine auf regulatorische Unterstützung durch die Europäische Union. Die Unternehmensführung identifizierte die EU-Schutzmaßnahmen (Safeguards) sowie das Grenzausgleichssystem CBAM als wesentlichen Rückenwind für den Stahlmarkt in der zweiten Jahreshälfte.
Bis zum Ende des Geschäftsjahres rechnet der Konzern zudem mit einem Aufschlag auf den Stahlpreis von rund 100 Euro je Tonne. Aufgrund bestehender Jahres- und Halbjahresverträge dürften diese Anpassungen jedoch erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung vollständig wirksam werden.
Ein zentraler Baustein der langfristigen Strategie bleibt die Umstellung der Produktion im Rahmen des Programms „greentec steel“. In Linz und Donawitz bereitet das Unternehmen den Hochlauf von zwei Elektrolichtbogenöfen vor, die planmäßig in der ersten Jahreshälfte 2027 in Betrieb gehen sollen.
Bemerkenswert ist dabei, dass die Konzernführung für diese Phase keine wesentlichen Hochlaufkosten eingeplant hat. Die finanzielle Basis für den weiteren Umbau in Donawitz ist bereits teilweise gesichert: Für den zweiten Schritt der Umstellung sind zusätzliche Investitionen von rund 100 Millionen Euro vorgesehen, wobei eine erste Förder-Tranche in Höhe von 90 Millionen Euro bereits feststeht.
US-Zölle und operative Portfolio-Anpassungen
Parallel zur grünen Transformation optimiert das Unternehmen sein Portfolio durch gezielte Veräußerungen. Im Segment High Performance Metals führte der Verkauf der Tochtergesellschaft BÖHLER Profil zu einem positiven EBITDA-Beitrag von rund 130 Millionen Euro. Aktueller Gegenwind kommt hingegen aus Nordamerika.
Das US-Handelsministerium nannte die Tochtergesellschaft Voestalpine Tubulars am Mittwoch in einer vorläufigen Entscheidung zu Ausgleichszöllen auf Ölfeldrohre (OCTG). Demnach wurde für die Exporte eine Subventionsmarge von 10,17 Prozent festgesetzt. Eine endgültige Entscheidung in diesem Verfahren wird bis zum 12. Januar 2027 erwartet.
Bereits vor rund zwei Wochen hatte das Unternehmen zudem den Ausbau seiner Bahninfrastruktur-Sparte in Kanada adressiert. Durch ein neues Werk für Weichenkomponenten in Ontario und einen langfristigen Liefervertrag mit Canadian National festigte Voestalpine seine Position im nordamerikanischen Markt.
Die vollständige Inbetriebnahme dieses Standorts ist für den Herbst 2027 vorgesehen, was die globale Präsenz des Bereichs Railway Systems weiter stärken dürfte.
Analysten sehen deutliches Kurspotenzial
In der vergangenen Woche reagierten auch die Analysten von Deutsche Bank Research auf die strategische Entwicklung und das Marktumfeld. Das Haus hob sein Kursziel für die Voestalpine-Aktie von 60 auf 63 Euro an und bestätigte die Einstufung auf „Buy“. Die Experten hoben im Zuge einer Sektorstudie die solide Positionierung des Konzerns hervor.
An der Börse verzeichnete das Papier am vergangenen Freitag einen leichten Rückgang. Die Aktie schloss bei 44,26 Euro und notiert damit rund 10 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch. Ungeachtet der kurzfristigen Schwankungen konnte der Wert seit Beginn des Kalenderjahres um 17 Prozent zulegen, was das Vertrauen der Anleger in die langfristige Neuausrichtung des Linzer Konzerns unterstreicht.
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