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Voestalpine Aktie: 2,5 Millionen Tonnen Grünstahl ab Februar 2027

Voestalpine senkt Schulden auf Tiefststand und treibt grüne Stahlproduktion voran. Die Dividende steigt, der Ausblick bleibt jedoch verhalten.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Schuldenquote auf 16,2 Prozent gesunken
  • 1,5 Milliarden Euro für grüne Transformation
  • Dividende steigt auf 0,75 Euro
  • Kurs nahe 52-Wochen-Hoch bei 49 Euro

Wer bei Voestalpine mitbestimmen möchte, muss schnell sein. Der Nachweisstichtag für die Hauptversammlung am 1. Juli fällt auf den 21. Juni 2026. Wer bis dahin nicht im Aktionärsregister steht, schaut von außen zu. In einem normalen Jahr wäre das eine Randnotiz. Dieses Jahr ist es keine.

Schulden auf Tiefstand — das Geld fließt bereits wieder ab

Das abgelaufene Geschäftsjahr 2025/26 war bilanziell ein Ausnahmejahrgang. Die Gearing Ratio sank auf 16,2 Prozent — den niedrigsten Stand seit 2005/06. Ein hoher Free Cashflow von 537 Millionen Euro erlaubte es dem Konzern, die Nettofinanzverschuldung um rund 23 Prozent auf rund 1,3 Milliarden Euro zu drücken.

Das klingt nach Komfortzone. Ist es aber nur bedingt.

Parallel treibt Voestalpine das Transformationsprojekt „greentec steel“ voran. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt 1,5 Milliarden Euro. Rund 60 Prozent sind bereits abgeflossen — die verbleibenden 40 Prozent kommen jetzt. Und sie kommen nicht zu einem günstigen Zeitpunkt.

2026 ist das Jahr der Montage

Der Rohbau der neuen Elektrolichtbogenofen-Halle in Linz wurde im April 2026 planmäßig fertiggestellt. Das ist mehr als ein Baufortschritt. „greentec steel“ tritt damit in seine entscheidende Phase.

Ab Februar 2027 soll der erste Elektrolichtbogenofen in Linz den Betrieb aufnehmen. Ein zweiter folgt in Donawitz. Zusammen sollen beide Anlagen jährlich rund 2,5 Millionen Tonnen CO₂-reduzierten Stahl produzieren. Die Konzern-Emissionen sollen bis 2029 um rund 30 Prozent sinken — knapp vier Millionen Tonnen CO₂ pro Jahr.

Das ist die eigentliche Substanz hinter den Kursgewinnen der vergangenen zwölf Monate. Voestalpine hat nicht einfach ein gutes Jahr gehabt. Der Konzern hat sich in eine Position manövriert, aus der er eine industrielle Transformation stemmen kann — ohne frisches Kapital am Markt einzusammeln. Der niedrige Verschuldungsgrad gibt ihm den Spielraum, den er dafür braucht.

Dividende steigt, Ausblick bleibt vorsichtig

Vorbehaltlich der Zustimmung der Hauptversammlung soll die Dividende auf 0,75 Euro je Aktie steigen — nach 0,60 Euro im Vorjahr. Ein Signal des Vertrauens. Kein Signal der Euphorie.

Für das Geschäftsjahr 2026/27 rechnet das Management mit einem EBITDA zwischen 1,60 und 1,85 Milliarden Euro. Das wäre eine weitere Steigerung gegenüber den 1,5 Milliarden Euro des abgelaufenen Jahres. Aber die Spanne ist breit — und das hat seinen Grund. Der Konflikt im Nahen Osten belastet Energiepreise und Inflation. Das Verhältnis zwischen Europa und Nordamerika hat keinen stabilen Zustand erreicht.

Das Bild ist zweigeteilt: Railway Systems und Luftfahrt tragen. Bau, Maschinenbau und Konsumgüter stagnieren auf niedrigem Niveau.

Charttechnisch: Kurs oberhalb aller gleitenden Durchschnitte

Die Aktie schloss am Freitag bei 46,48 Euro — seit Jahresbeginn ein Plus von über 20 Prozent, auf Zwölfmonatssicht sogar mehr als eine Verdopplung. Der Kurs liegt komfortabel oberhalb des 50-Tage-Durchschnitts bei 44,31 Euro und des 200-Tage-Durchschnitts bei 38,97 Euro. Das 52-Wochen-Hoch von 49,22 Euro, erreicht im Februar, ist die nächste relevante Marke nach oben. Der RSI von 53,1 signalisiert weder überkauftes noch überverkauftes Terrain.

Reicht das Momentum, um das Hoch zu überwinden — ausgerechnet in dem Moment, in dem die teuerste Phase der Transformation beginnt?

Die kommenden Monate werden zeigen, wie der Markt die Kombination aus starker Bilanz und hohem Investitionsdruck bewertet. Der Nachweisstichtag am 21. Juni markiert dabei nicht nur eine formale Frist — er fällt in eine Phase, in der Voestalpine täglich neu beweisen muss, dass die grüne Wette aufgeht.

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