Die Europäische Zentralbank zieht erstmals seit fast drei Jahren wieder die Zügel an. Normalerweise ist das Gift für kapitalintensive Industrieunternehmen. Im Gegenteil. Anleger reagieren erleichtert auf die klare Linie der Notenbanker. Davon profitiert auch der Linzer Stahlkonzern Voestalpine.
Nach einigen schwächeren Tagen schloss das Papier am Donnerstag bei 45,90 Euro. Damit folgte die Aktie dem positiven Trend des Wiener Leitindex ATX. Auf Jahressicht hat sich der Kurs mit einem Plus von über 100 Prozent verdoppelt. Seit Januar steht ein solider Zuwachs von knapp 19 Prozent zu Buche.
Teure Energie bremst Euphorie
Die Notenbank erhöhte den Einlagenzins wie erwartet auf 2,25 Prozent. EZB-Präsidentin Christine Lagarde will damit die hartnäckige Inflation bekämpfen. Ein wesentlicher Treiber für die Teuerung bleiben die hohen Energiepreise. Aktuell kostet ein Barrel Öl rund 100 US-Dollar. Geopolitische Spannungen im Nahen Osten verschärfen die Lage zusätzlich.
Parallel dazu ringt die Stahlindustrie um ihre strukturelle Ausrichtung. Die Dekarbonisierung kostet Milliarden. Die Gewerkschaft IG Metall warnt bereits vor massiven Arbeitsplatzverlusten durch zu strenge Klimavorgaben. Die österreichische Industriellenvereinigung kritisiert nationale Sonderwege zur Klimaneutralität scharf. Für Voestalpine ist eine verlässliche Energiepolitik ein entscheidender Wettbewerbsfaktor.
Solides Fundament im Chart
Technisch präsentiert sich die Aktie robust. Der Kurs notiert deutlich über der 200-Tage-Linie von 38,89 Euro. Das werten Charttechniker als starkes Signal. Der Abstand zum 52-Wochen-Hoch fällt mit knapp sieben Prozent gering aus. Der neutrale Relative-Stärke-Index zeigt, dass der Titel momentan nicht überkauft ist.
Das makroökonomische Umfeld bleibt anspruchsvoll. Die EZB erwartet in diesem Jahr ein Wirtschaftswachstum von lediglich 0,8 Prozent in der Eurozone. Für Voestalpine rückt nun die internationale Handelspolitik in den Mittelpunkt. Bis Mitte Juni müssen die USA und die EU über eine Verlängerung der Zollaussetzungen entscheiden. Ein Scheitern dieser Gespräche würde die globalen Lieferketten im Industriesektor direkt belasten.
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