Virgin Galactic hat den Beginn seines kommerziellen Flugbetriebs mit der neuen Delta-Klasse auf Februar 2027 verlegt. Trotz der zeitlichen Verzögerung reagierten Anleger positiv auf die jüngsten Quartalsergebnisse und die anhaltend hohe Nachfrage nach Tickets für suborbitale Raumflüge. Die Aktie konnte am Freitag deutlich zulegen.
Quartalszahlen und Liquidität im Fokus
Für das zweite Quartal 2026 meldete das Unternehmen einen Nettoverlust von 0,58 US-Dollar pro Aktie, was leicht über den Erwartungen der Analysten lag, die mit einem Minus von 0,60 US-Dollar gerechnet hatten. Der Umsatz belief sich im Berichtszeitraum auf 0,13 Millionen US-Dollar. Ein zentraler Punkt für Marktbeobachter bleibt die finanzielle Reichweite des Konzerns.
Zum Ende des zweiten Quartals verfügte Virgin Galactic über liquide Mittel in Höhe von 286 Millionen US-Dollar. Dieser Bestand wurde unter anderem durch ein „At-the-Market“-Aktienprogramm gestärkt, das dem Unternehmen 134 Millionen US-Dollar einbrachte.
Während Branchenexperten darauf hinweisen, dass der Cash-Bestand bei gleichbleibender Verbrennungsrate für weniger als ein Jahr ausreichen könnte, betonte CEO Michael Colglazier, dass das Unternehmen derzeit kein zusätzliches Kapital benötige. Für das dritte Quartal 2026 prognostiziert das Management einen negativen freien Cashflow zwischen 95 und 100 Millionen US-Dollar.
Hohe Ticketnachfrage trotz Zeitplanänderung
Die Verschiebung des ersten kommerziellen Fluges der Delta-Klasse von Ende 2026 auf Anfang 2027 begründete das Management mit einer Vielzahl kleinerer Montage- und Integrationsaufgaben. Colglazier erklärte, es gebe keine einzelnen großen Probleme, sondern eine Summe an Detailarbeiten, die für die Sicherheit und Zuverlässigkeit essenziell seien. Bodentests für das erste Raumschiff der Serie, die Delta-1, sollen noch im August beginnen.
Ungeachtet der Verzögerung zeigt sich das Kundeninteresse stabil. Eine im April 2026 eröffnete Ticket-Tranche zum Preis von 750.000 US-Dollar pro Sitzplatz ist bereits überzeichnet. Das Unternehmen erwartet aus diesen Verkäufen zukünftige Einnahmen von rund 50 Millionen US-Dollar. Aktuell umfasst die Gemeinschaft der zukünftigen Astronauten mehr als 700 Personen, wobei für 650 bis 675 Plätze bereits feste Reservierungen vorliegen.
Marktausblick und operative Ziele
Das Unternehmen verfolgt ehrgeizige Ziele für die Skalierung seines Geschäftsmodells. Bis zum Ende des zweiten Quartals 2027 strebt Virgin Galactic eine Frequenz von monatlich mehr als zehn Flügen an.
Jedes Raumschiff der Delta-Klasse ist laut Unternehmensangaben für bis zu 500 Flüge ausgelegt und kann sechs Passagiere befördern. Bei einem durchschnittlichen Ticketpreis von 600.000 US-Dollar wird eine operative Marge von über 80 Prozent pro Flug angestrebt.
Für das Jahr 2028 stellt Virgin Galactic bei einem Betrieb von zwei Raumschiffen ein bereinigtes EBITDA von 100 Millionen US-Dollar in Aussicht. Mit vier Schiffen könnte dieser Wert auf über 450 Millionen US-Dollar steigen.
Im Wettbewerbsumfeld profitiert der Konzern von einer Pause bei Blue Origin, dessen bemannte Flüge voraussichtlich bis 2028 ausgesetzt bleiben. Am Freitag stieg der Kurs der Aktie an der Börse um 5,7 Prozent auf 3,32 US-Dollar. Das Papier notiert damit aktuell 9,5 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt.
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