Virgin Galactic steht vor einer entscheidenden Woche. Das Raumfahrtunternehmen will am 10. Juni bis zu 30,5 Millionen Dollar Schulden tilgen – mit eigenen Aktien. Ob das gelingt, hängt allein vom Aktienkurs ab.
Mechanismus der Aktientilgung
Der Plan funktioniert so: Virgin Galactic gibt neue Aktien an die Anleihegläubiger aus. Der Gegenwert wird anhand des durchschnittlichen Kurses der fünf Handelstage vor dem 10. Juni berechnet. Liegt der Kurs an einem dieser Tage unter der vereinbarten Untergrenze von 2,00 Dollar, kann das Unternehmen die entsprechende Schuldsumme nicht tilgen.
Die endgültige Tilgungshöhe steht daher erst am 10. Juni fest. Das Unternehmen selbst warnt: Der Betrag könne niedriger ausfallen als die angekündigten 30,5 Millionen Dollar. Derzeit notiert die Aktie bei rund 4,29 Dollar – deutlich über der Schwelle. Aber der Durchschnittskurs während der Beobachtungsperiode muss stabil bleiben.
Virgin Galactic hat bereits Anfang Mai 10 Millionen Dollar der First-Lien-Anleihen getilgt. Von der verbleibenden Pflichttilgung in Höhe von 20,4 Millionen Dollar sind nun die geplanten 30,5 Millionen Teil eines größeren Tilgungsplans. Zusätzlich muss das Unternehmen bis Ende 2027 weitere 10,1 Millionen Dollar tilgen.
Finanzielle Lage bleibt angespannt
Gelingt die gesamte Tilgung, wäre die nächste größere Zahlung erst im März 2028 fällig. Das würde die Liquidität spürbar entlasten. Virgin Galactic beziffert die Barmittel zum 31. März auf 251 Millionen Dollar. Doch die Verlustrate ist hoch: Im ersten Quartal 2026 verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 65 Millionen Dollar bei einem Umsatz von lächerlichen 0,2 Millionen Dollar. Der freie Cashflow war mit minus 93 Millionen Dollar ebenfalls tiefrot.
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Die Bilanz bleibt damit das zentrale Risiko. Jede nicht getilgte Schuld verlängert den Druck auf die Kassenlage. Kein Wunder, dass Anleger gespannt auf den 10. Juni blicken.
Raumflug-Zeitplan als Hoffnungsträger
Parallel arbeitet Virgin Galactic an der nächsten Generation von Raumflugzeugen. Die erste neue SpaceShip absolviert derzeit Bodentests, Gleitflüge sind für das dritte Quartal geplant, der erste bemannte Raumflug für das vierte Quartal 2026. Die ältere VSS Unity kehrte Ende Mai zu Gleitflügen am Spaceport America zurück, um die Pilotenschulung zu unterstützen.
Die operative Entwicklung bleibt jedoch zweitrangig, solange die Bilanzfrage nicht geklärt ist. Der unmittelbare Katalysator für die Aktie ist der 10. Juni. An diesem Tag zeigt sich, ob Virgin Galactic die Schuldentilgung vollständig durchdrückt – oder ob ein Teil der Last liegen bleibt.
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