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Vincorion Aktie: 30 Prozent unter Jahreshoch

Trotz Umsatzsprung und Rekordauftragsbestand fällt die Vincorion-Aktie weiter. Analysten sehen Risiken in Cashflow und Aktionärsstruktur.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Umsatz steigt um 40 Prozent
  • Auftragsbestand erreicht Allzeithoch
  • Freier Cashflow bleibt negativ
  • Haltefrist für Großaktionär endet bald

Starke Nachfrage, schwache Kurse. Bei Vincorion klaffen Realität und Marktstimmung weit auseinander. Das operative Geschäft glänzt mit vollen Auftragsbüchern. Die Aktie setzt ihre Talfahrt indes ungebremst fort. Mit einem aktuellen Kurs von 16,61 Euro verlor das Papier im letzten Monat über neun Prozent. Der Abstand zum Jahreshoch beträgt bereits 30 Prozent.

Volle Auftragsbücher, hohe Margen

Die Fundamentaldaten sprechen eine völlig andere Sprache. Zum Jahresauftakt kletterte der Konzernumsatz um 40 Prozent auf 69 Millionen Euro. Das operative Ergebnis zog im gleichen Schritt kräftig mit. Die Marge erreichte starke 18 Prozent.

Stärkster Treiber war das Segment „Vehicle Systems“ mit einem Umsatzplus von gut 60 Prozent. Die Sparte „Power Systems“ legte um 43 Prozent zu. Hier treiben Systeme für die bodengebundene Luftverteidigung das Geschäft an.

Der Auftragsbestand erreichte ein Allzeithoch von rund 1,2 Milliarden Euro. CEO Kajetan von Mentzingen betont die hohe Planungssicherheit. Feste Aufträge decken bereits mehr als 90 Prozent des geplanten Jahresumsatzes ab.

Zwei strukturelle Bremsfaktoren

Zwei Faktoren drücken den Kurs massiv. Einerseits verbucht Vincorion einen negativen freien Cashflow. Dieser fiel im Auftaktquartal auf minus 7,1 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum stand hier noch ein Plus.

Das Management begründet den Abfluss mit dem Kapazitätsausbau. Der Rüstungszulieferer erweitert seine Standorte in Altenstadt, Essen, Wedel und den USA. Das Unternehmen will diese Expansion komplett aus eigener Kraft finanzieren. Neue Schulden oder Kapitalerhöhungen schließt der Vorstand aus.

Das zweite Risiko ist die Aktionärsstruktur. Der britische Finanzinvestor STAR Capital hält noch 47,5 Prozent der Anteile. Im Herbst endet die Haltefrist für diese Papiere. Ein enormes Überhangrisiko. Marktbeobachter rechnen danach mit größeren Aktienverkäufen. Dem stehen Großinvestoren wie Fidelity und Invesco gegenüber, die jeweils knapp vier Prozent halten.

Rüstungsboom treibt Expansion

Den Rückenwind für das Wachstum liefert die europäische Rüstungskonjunktur. Vincorion beliefert die Bundeswehr zwar nicht direkt. Der Zulieferer profitiert aber massiv über seine Industriepartner. Das schuldenfinanzierte Sondervermögen von 100 Milliarden Euro wirkt tief in die Lieferkette hinein.

Um die Nachfrage zu bedienen, stellt der Konzern monatlich neue Mitarbeiter ein. Langfristig plant der CEO ein jährliches Personalplus von rund fünf Prozent.

Halbjahreszahlen als Prüfstein

Für das Gesamtjahr bestätigt das Management seine Ziele. Der Vorstand peilt bis zu 320 Millionen Euro Umsatz an. Die bereinigte EBIT-Marge soll bei rund 18 Prozent liegen.

Am 12. August legt das Unternehmen die Halbjahreszahlen vor. Dieser Termin wird zum entscheidenden Prüfstein für den Kapitalmarkt. Im Zentrum steht dann der freie Cashflow. Dreht diese Kennzahl ins Plus, belegt Vincorion seine Fähigkeit zur Eigenfinanzierung. Bleibt der Cashflow negativ, dürfte der Verkaufsdruck auf die Aktie vor dem Ende der Haltefrist weiter zunehmen.

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