Ein Gewinnsprung von über 50 Prozent, eine angehobene Jahresprognose – und trotzdem gibt die Aktie im vorbörslichen Handel fast zwölf Prozent ab. Bei Vertiv klafft an diesem Mittwoch die Lücke zwischen Fundamentaldaten und Kursreaktion besonders weit auf.
Der Infrastruktur-Ausrüster für Rechenzentren legte für das zweite Quartal einen Nettogewinn von 497,8 Millionen Dollar vor, nach 324,2 Millionen Dollar im Vorjahresquartal. Der Umsatz kletterte um 24 Prozent auf 3,274 Milliarden Dollar. Die bereinigte Gewinnmarge im operativen Geschäft stieg um 410 Basispunkte auf 22,6 Prozent – ein deutliches Zeichen dafür, dass das Wachstum nicht auf Kosten der Profitabilität geht.
Woher kommt der Kursdruck trotz starker Zahlen?
Im Zahlenwerk selbst findet sich ein Hinweis auf mögliche Unruhe: Das Unternehmen räumte „geringfügige zeitliche Verschiebungen“ beim Umsatz ein, verursacht durch vorübergehende Engpässe in der Lieferkette und die zunehmende Komplexität mehrphasiger Projekte. Bei einem Titel, der seit Jahresbeginn bereits kräftig zugelegt hatte, reichen solche Bemerkungen offenbar aus, um Gewinnmitnahmen auszulösen – selbst wenn die harten Kennzahlen den Erwartungen entsprechen oder sie übertreffen.
Der freie Cashflow bestätigt die operative Stärke: Der operative Cashflow lag bei 1,1 Milliarden Dollar, der bereinigte freie Cashflow bei 925 Millionen Dollar – ein Plus von über 230 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal. Vertiv beendete das Quartal mit einer Netto-Cash-Position und einer Liquidität von 5,6 Milliarden Dollar.
Prognose deutlich angehoben
Für das laufende Geschäftsjahr rechnet Vertiv nun mit einem Umsatz von rund 14 Milliarden Dollar im Mittelwert der Spanne, was einem organischen Wachstum von 31 Prozent entspräche. Beim bereinigten Gewinn je Aktie visiert das Management 6,65 bis 6,75 Dollar an – ein Anstieg von rund 60 Prozent gegenüber 2025.
Für das dritte Quartal stellt Vertiv einen Umsatz zwischen 3,65 und 3,85 Milliarden Dollar in Aussicht, bei einem organischen Wachstum von 34 bis 36 Prozent. Vorstandschef Giordano Albertazzi verwies auf die anhaltend hohe Nachfrage im Zusammenhang mit KI-Infrastruktur als Treiber der überarbeiteten Prognose.
Die Diskrepanz zwischen angehobenem Ausblick und Kursrückgang dürfte in den kommenden Handelsstunden im Mittelpunkt stehen. Sollte sich die Vorbörse-Bewegung im regulären Handel bestätigen, wäre das der zweite deutliche Rückschlag für die Aktie innerhalb weniger Wochen – trotz eines Geschäfts, das nach den vorgelegten Kennzahlen so profitabel wächst wie selten zuvor.
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