Wer nach dem billigsten ETF auf den FTSE All-World-Index sucht, muss ab kommendem Jahr nicht mehr bei Vanguard oder BlackRock nachsehen. DWS hat die gesamte Kategorie mit einem Gebührenschnitt überrascht, der selbst die eigene bisherige Position deutlich unterbietet. Vanguard senkt zwar auch die Kosten für seinen FTSE All-World UCITS ETF – doch der Wettbewerber zieht davon.
DWS zieht an allen vorbei
Ab dem 28. Juli sinkt die Kostenquote des Vanguard-ETF von 0,19 Prozent auf 0,14 Prozent. Eigentlich ein spürbarer Schritt. Allerdings verpufft der Effekt teilweise, weil DWS zur gleichen Zeit einen viel radikaleren Schnitt vollzieht.
Der Xtrackers FTSE All-World UCITS ETF von DWS senkt seine Gesamtkostenquote ab dem 1. Juni 2026 von 0,12 Prozent auf 0,07 Prozent. Damit wird das Produkt zum günstigsten ETF auf den FTSE All-World-Index überhaupt – sieben Basispunkte billiger als Vanguard nach dessen eigener Reduzierung.
Bis zu diesem Schritt hatten sich DWS und BlackRock die Position als günstigste Anbieter in diesem Marktsegment geteilt. Beide waren mit Kostenquoten von 0,12 Prozent gestartet. Diese Parität ist nun Geschichte. DWS hat sich klar abgesetzt, während Vanguards ETF mit aktuell noch 0,19 Prozent trotz der bevorstehenden Senkung das größte Produkt im Segment bleibt.
Zuflüsse sprechen eine andere Sprache
Trotz der Preislücke zu den günstigsten Konkurrenten dominiert der Vanguard-ETF weiter bei den Mittelzuflüssen. Seit Jahresbeginn 2026 sammelte das Produkt laut Daten von TrackInsight netto 18,2 Milliarden Dollar ein – mehr als doppelt so viel wie der nächstplatzierte Rivale, der State Street SPDR MSCI All-Country World UCITS ETF mit 18,6 Milliarden Dollar bei einer Kostenquote von 0,12 Prozent.
Diese Führungsposition bei den Zuflüssen hat der Fonds trotz einer Welle neuer Billigprodukte von BlackRock, DWS und anderen Anbietern gehalten. Skala, Liquidität und eine lange Tracking-Historie zählen für viele Anleger offenbar mehr als ein paar Basispunkte Unterschied.
Kursverlauf zeigt Konsolidierung
Der Kurs selbst liefert eine Erklärung, warum Gebührenwettbewerb für viele Buy-and-Hold-Anleger zweitrangig bleibt. Der Fonds schloss am Freitag bei 163,78 Euro, nahezu unverändert zum Vortag und nur 1,99 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 167,10 Euro vom 22. Juni. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 12,67 Prozent zu Buche, über zwölf Monate sind es 22,92 Prozent.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 47,8 – ein neutraler Wert, der eher auf Konsolidierung als auf eine überkaufte oder überverkaufte Extremsituation hindeutet. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität beträgt 11,09 Prozent. Die Rally hat sich seit dem Junihoch damit abgekühlt, ohne dass es zu einem echten Einbruch kam.
Teil eines größeren Preiskampfs
Der DWS-Schnitt steht nicht isoliert da. Anbieter wie Vanguard, Amundi und Invesco haben in den vergangenen Jahren die Gebühren für Kern-Beta-Strategien in Europa systematisch nach unten getrieben. Vanguards eigene Senkung auf 0,14 Prozent reiht sich in dieses Muster ein – auch wenn der Konzern beim reinen Preisvergleich nun hinter dem neu bepreisten Xtrackers-Produkt zurückbleibt.
Für Anleger, die ein einzelnes ETF-Produkt für ein global diversifiziertes Portfolio suchen, bleibt damit eine Abwägung: sieben Basispunkte Kostenunterschied gegen die etablierte Größe, Liquidität und Zuflussdynamik des Vanguard-Fonds. Ab dem 28. Juli zeigt sich, ob die neue Kostenquote von 0,14 Prozent die Wettbewerbslücke zu BlackRock und DWS spürbar verändert.
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