Vanguard hat sein europäisches Produktangebot am 20. August um drei neue globale Aktien-ETFs erweitert – und schafft damit einen hauseigenen Rivalen für seinen bekanntesten Fonds.
Der neu aufgelegte Vanguard FTSE Global All-Cap UCITS ETF kommt mit einer Kostenquote von 0,07 Prozent und unterbietet damit den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF (IE00BK5BQT80), dessen laufende Kosten seit einer Senkung vor rund zwei Wochen bei 0,14 Prozent liegen. Der Kurs des All-World-ETF hat sich seither kaum bewegt und notiert rund 1,7 Prozent niedriger.
Die drei neuen Produkte – neben dem Global All-Cap ETF auch ein Global Small-Cap ETF mit 0,22 Prozent Kostenquote sowie ein FTSE All-World ex-U.S. ETF mit 0,12 Prozent – wurden zeitgleich an der London Stock Exchange, der Deutschen Börse, Euronext Amsterdam, der Borsa Italiana und der SIX Swiss Exchange gelistet.
Anleger erhalten damit erstmals aus dem Hause Vanguard selbst eine Auswahl an Alternativen, die sich im Kostenprofil, in der Marktkapitalisierungsabdeckung und in der geografischen Zusammensetzung vom etablierten All-World-Flaggschiff unterscheiden.
Ein Fonds mit 3.428 Positionen
Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF selbst bleibt ein Schwergewicht: Zum 30. Juni hielt er nach Vanguard-Angaben 3.428 Einzeltitel und bildet damit den 4.265 Werte umfassenden FTSE All-World Index über eine partielle Replikation ab – eine Strategie, die Handelskosten optimieren soll, ohne die breite Diversifikation aufzugeben.
Mit dem neuen Global All-Cap ETF tritt nun ein Produkt an, das potenziell noch breiter gestreut sein könnte, während der ex-U.S.-Ableger gezielt Anlegern dient, die ihr US-Übergewicht reduzieren wollen.
Für Bestandsanleger im All-World-ETF ändert sich durch die neuen Produkte zunächst nichts an der Zusammensetzung ihres Fonds. Die Marktbeobachtung zeigt aber, dass Vanguard seine Produktpalette gezielt segmentiert, statt allein auf den bisherigen Flaggschiff-Fonds zu setzen. Das dürfte den Wettbewerbsdruck auch innerhalb der eigenen Angebotspalette erhöhen und Anleger dazu bewegen, ihre Wahl stärker nach Kostenquote und Abdeckungsgrad zu differenzieren.
Vanguard verteidigt Rang zwei in Europa
Im europäischen ETF-Markt bleibt Vanguard laut einem Marktbericht von ETFGI zum Ende Juli die Nummer zwei hinter BlackRocks iShares-Sparte, die einen Marktanteil von 40 Prozent und ein verwaltetes Vermögen von 1,5 Billionen US-Dollar auf sich vereint.
Vor diesem Hintergrund wirkt die Erweiterung der Produktpalette auch als strategischer Schritt, um Marktanteile zu verteidigen und unterschiedliche Anlegerbedürfnisse abzudecken, statt sie an Wettbewerber mit spezialisierteren Produkten zu verlieren.
Am Freitag schloss der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF bei 166,22 Euro, ein Plus von 0,6 Prozent auf Tagesbasis. Damit notiert der Fonds 0,4 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, aber weiterhin 2,4 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 170,24 Euro, das er im August markiert hatte.
Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von 22 Prozent zu Buche – ein Hinweis darauf, dass die neue interne Konkurrenz bislang keine spürbaren Kapitalabflüsse aus dem etablierten Fonds ausgelöst hat.
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