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Vanguard FTSE All-World ETF: Allzeithoch vom 22. Juni

Der IT-Sektor dominiert globale Indizes mit 39,4 Prozent und übertrifft den Dotcom-Rekord. Anleger beobachten die Konzentration kritisch.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • IT-Sektoranteil übertrifft Dotcom-Ära
  • Sieben Tech-Giganten dominieren den Index
  • ETF seit Jahresbeginn deutlich im Plus
  • Gewinnmitnahmen bei Halbleiterwerten

Der beliebteste Welt-ETF vieler Privatanleger läuft gut — aber das Fundament, auf dem er steht, sorgt für Unbehagen. Die IT-Branche dominiert globale Indizes heute stärker als je zuvor. Selbst stärker als zur Jahrtausendwende.

Technologie-Anteil übertrifft Dotcom-Ära

Der IT-Sektor hält mittlerweile einen Anteil von 39,4 Prozent in den großen Weltindizes. Das übertrifft den bisherigen Rekord von 35 Prozent aus dem März 2000 — dem Höhepunkt der Dotcom-Blase. Sieben Unternehmen allein — Nvidia, Microsoft, Apple, Amazon, Alphabet, Meta und Tesla — machen zwischen 32 und 35 Prozent des Gesamtindex aus.

Diese Konzentration hat den Vanguard FTSE All-World UCITS ETF seit Jahresbeginn um 12,14 Prozent nach oben getrieben. Auf Zwölfmonatssicht beträgt das Plus sogar 26,19 Prozent. Aktuell notiert der ETF bei 163,70 Euro — rund zwei Prozent unter seinem Allzeithoch von 167,10 Euro vom 22. Juni.

Nicht alle Großinvestoren sehen das gelassen. GQG Partners, die rund 162 Milliarden Dollar verwalten, hat sich bereits von KI-Infrastrukturwerten getrennt. Die Begründung fiel deutlich aus: Man sehe in der aktuellen Entwicklung eine „Dotcom-Blase auf Steroiden“.

Halbleiter boomen, Gewinnmitnahmen folgen

Micron Technology lieferte im dritten Quartal 2026 einen Umsatz von 41,5 Milliarden Dollar — ein Plus von knapp 346 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Treiber war die KI-Nachfrage. Halbleiterindizes legten seit März um 85 Prozent zu.

Kein Wunder, dass Gewinnmitnahmen einsetzen. Der Nasdaq verlor zuletzt in einer Woche mehr als vier Prozent. Diese Volatilität schlägt direkt auf einen breit gestreuten Welt-ETF durch, der technologielastig aufgestellt ist.

Emerging Markets verschieben sich Richtung KI

Parallel verändert sich die Zusammensetzung der Schwellenländer-Indizes. Taiwan hat im MSCI Emerging Markets Index ein Gewicht von rund 26 Prozent erreicht, Südkorea kommt auf etwa 23 Prozent. Beide Märkte profitieren direkt vom KI-Halbleiterzyklus. Indien hingegen ist auf unter 11 Prozent gefallen.

Analysten von ClearBridge sehen darin ein Signal für die zweite Jahreshälfte: Die KI-Demokratisierung und der Infrastrukturausbau könnten Nicht-US-Aktien begünstigen. Das wäre für einen echten Welt-ETF eine Entlastung — weniger Abhängigkeit von den amerikanischen Mega-Caps.

Makroökonomisch bleibt das Bild gemischt. Der Iran-US-Konflikt treibt den Ölpreis: Brent notiert bei 72,51 Dollar je Barrel. Fast 80 Prozent der befragten Staatsfonds zeigen sich besorgt über den langfristigen Reservestatus des US-Dollars und investieren verstärkt in Energieinfrastruktur. Eine Rotation in Rohstoff- und Energiewerte würde die Technologielastigkeit globaler Indizes zumindest teilweise ausgleichen — und den ETF breiter abstützen als heute.

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