Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF USD Accumulation war im September europaweit der meistverkaufte ETF – und das ausgerechnet in einem Monat, der an den Börsen zunehmend nervös verlief. Nach Angaben von LSEG Lipper flossen dem Fonds netto schätzungsweise 2,7 Milliarden Euro zu, mehr als jedem anderen in Europa gehandelten ETF.
Die Zahl fügt sich in ein größeres Bild. Vanguard selbst meldete für seine gesamte UCITS-ETF-Palette im September Nettozuflüsse von 7,5 Milliarden Dollar, davon 6,7 Milliarden Dollar allein in Aktien-ETFs – wobei das Unternehmen die Flüsse für die Produktpalette insgesamt auswies und nicht gesondert für die hier betrachtete thesaurierende Anteilsklasse.
Ergänzend bezifferte das Datenhaus ETFGI die Zuflüsse in den Vanguard FTSE All-World auf 3,067 Milliarden Dollar im September und auf 26,548 Milliarden Dollar seit Jahresbeginn bis September – auch diese Daten beziehen sich auf das Gesamtprodukt, nicht isoliert auf die Anteilsklasse mit der ISIN IE00BK5BQT80.
Zuflüsse trotz Gegenwind
Bemerkenswert ist der Zeitpunkt dieser Mittelzuflüsse. Während Anleger weiter in den breit gestreuten Welt-ETF investierten, geriet die Stimmung an den globalen Aktienmärkten zuletzt spürbar unter Druck.
Auslöser war ein US-Inflationsbericht: Die US-Arbeitsmarktbehörde meldete für September einen Anstieg der Verbraucherpreise um 0,6 Prozent gegenüber dem Vormonat und 3,7 Prozent auf Jahressicht, wobei steigende Benzinpreise mehr als die Hälfte des monatlichen Zuwachses ausmachten.
Reuters berichtete, dass die Daten die Markterwartungen auf weitere Zinsanhebungen der US-Notenbank verstärkten und damit Aktien zusätzlich belasteten.
Besonders Technologie- und Chipwerte gerieten in der vergangenen Woche unter Druck. Reuters berichtete von einem technologiegetriebenen globalen Ausverkauf, der durch Sorgen über steigende Zinsen und schuldenfinanzierte KI-Infrastruktur befeuert wurde.
In Asien verschärfte sich der Abverkauf zusätzlich wegen Bedenken über intransparente, zirkuläre Finanzierungsstrukturen bei KI-Infrastrukturprojekten, während sich der Druck im europäischen und US-Handel wieder abschwächte. Selbst Rekordgewinne von TSMC konnten die Sorgen angesichts der vorsichtigen Einschätzung des Unternehmens zur makroökonomischen Lage nicht vollständig zerstreuen.
Kurs gibt nach, Index bleibt in Reichweite des Hochs
Diese Gemengelage spiegelt sich im Kursverlauf des Welt-ETF wider. Der Fonds schloss am Freitag bei 169,30 Euro, ein Minus von 1,1 Prozent gegenüber dem Vortag und 2,2 Prozent auf Wochensicht.
Trotz der jüngsten Schwäche notiert das Papier aber lediglich 2,7 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 174,00 Euro, das erst am 7. Oktober erreicht wurde. Auf Sicht von zwölf Monaten steht ein Plus von 21 Prozent zu Buche, seit Jahresbeginn sind es 16 Prozent.
Die anhaltend hohen Zuflüsse trotz der Marktturbulenzen deuten darauf hin, dass viele Anleger an ihrer langfristig ausgerichteten, breit diversifizierten Strategie festhalten, statt auf kurzfristige Schwankungen mit Verkäufen zu reagieren.
Für einen ETF, der weltweit in Tausende Aktien investiert, zählt dabei weniger die Tagesbewegung einzelner Technologiewerte als die grundsätzliche Risikobereitschaft der Sparer in einem von Zinssorgen geprägten Marktumfeld.
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