Der Vanguard FTSE All-World UCITS ETF notiert bei 165,68 Euro — nur einen Wimpernschlag vom 52-Wochen-Hoch entfernt. Was wie ein Zeichen globaler Stärke aussieht, hat einen deutlich engeren Ursprung.
Wenige Aktien treiben den Index
Ein aktueller Bericht von FTSE Russell zeigt: Seit der Erholung vom April-Tief haben weniger als 15 Aktien mehr als die Hälfte des Gesamtertrags im FTSE All-World Index geliefert. Rechnet man den gesamten Technologiesektor hinzu, steigt dieser Anteil auf 75 Prozent.
Das ist kein breiter Bullenmarkt. Es ist eine KI-getriebene Rallye einer Handvoll Mega-Caps.
Der ETF bildet den FTSE All-World Index physisch ab und hielt zuletzt 3.763 Einzeltitel. Auf dem Papier klingt das nach maximaler Diversifikation. In der Praxis entfallen allein auf Nvidia 4,60 Prozent des Portfolios, auf Apple 4,18 Prozent und auf Microsoft 3,11 Prozent. Amazon, Alphabet, Broadcom, Taiwan Semiconductor, Meta und Tesla folgen dahinter.
USA dominiert, Taiwan gewinnt an Gewicht
Die Ländergewichtung unterstreicht die Konzentration. Die USA machen 61,76 Prozent des Portfolios aus. Japan folgt mit 5,82 Prozent, Taiwan mit 3,29 Prozent.
Taiwan ist dabei mehr als ein geografischer Posten. FTSE Russell verweist darauf, dass Taiwan China als größten Markt im FTSE Emerging Index überholt hat. Das Schwellenländer-Exposure des ETF ist damit zunehmend an Halbleiter-Lieferketten geknüpft — nicht an klassische Regionaldiversifikation.
Momentum stark, Konkurrenz günstiger
Der ETF hat in den vergangenen 30 Tagen 4,62 Prozent zugelegt, seit Jahresbeginn 13,49 Prozent. Der RSI liegt bei 63,7 — solide Dynamik, kein überhitztes Signal. Mit einem Abstand von 4,71 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt und 11,66 Prozent über dem 200-Tage-Schnitt bleibt der Aufwärtstrend intakt.
Allerdings wächst der Kostendruck. Invesco bietet einen vergleichbaren FTSE-All-World-ETF mit 0,15 Prozent laufenden Kosten an, Vanguard liegt bei 0,19 Prozent. Xtrackers hat ein ähnliches Produkt mit 0,07 Prozent TER auf den Markt gebracht — ein deutlich neueres Vehikel, aber ein klares Signal, wohin sich die Gebührendebatte bewegt.
Der FTSE-Russell-Bericht verschiebt die Diskussion jedoch weg von den Kosten. Wer in einen All-World-ETF investiert, kauft derzeit vor allem eine Wette auf KI-Infrastruktur und Halbleiter — unabhängig davon, welcher Anbieter auf dem Preisschild steht.
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