Ein schwacher Arbeitsmarktbericht aus den USA hätte Aktienmärkte eigentlich belasten müssen. Beim Vanguard FTSE All-World UCITS ETF passierte das Gegenteil. Der Fonds schloss die erste volle August-Woche mit 168,48 Euro ab und liegt nur noch 0,28 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 5. August.
Schwache Jobs, starke Kurse
Der Auslöser kam am Freitag aus Washington. Das US-Arbeitsministerium meldete für Juli einen überraschenden Stellenabbau von 23.000 Jobs. Erwartet hatten Ökonomen ein moderates Wachstum.
Das Lohnwachstum verlangsamte sich zugleich auf 3,2 Prozent – der niedrigste Wert seit fünf Jahren. Normalerweise wäre das ein Warnsignal für die Konjunktur. Anleger lasen die Zahlen aber anders: als Hinweis auf eine lockerere Geldpolitik der US-Notenbank.
Die Folge: Die Renditen von US-Staatsanleihen sanken. Das stützte wiederum die Bewertungen von Wachstums- und Technologiewerten, die im Fonds hoch gewichtet sind. Der 14-Tage-RSI liegt aktuell bei 62,3 – ein Wert, der auf spürbaren, aber noch nicht überhitzten Aufwärtsdruck hindeutet.
Die Woche der Wahrheit für die US-Konjunktur
Die kommenden Tage liefern Antworten darauf, ob sich die Schwäche vom Arbeitsmarkt auch in Produktion und Konsum zeigt. Zwei Termine stechen heraus:
- 13. August: Erzeugerpreise (PPI) für Juli – Hinweise auf die Kostenentwicklung bei Unternehmen und mögliche Signale für die Zinspolitik.
- 14. August: Einzelhandelsumsätze für Juli – nach einem moderaten Plus von 0,2 Prozent im Juni ein Test für die Konsumlaune der Amerikaner.
Fällt der PPI schwächer aus als erwartet, dürfte das die Zinssenkungsfantasie weiter befeuern. Enttäuschende Einzelhandelsdaten könnten dagegen die Erzählung vom kühlenden, aber stabilen Konsumenten ins Wanken bringen.
Globaler Fonds, globale Risiken
Der ETF bildet 3.782 Unternehmen aus Industrie- und Schwellenländern ab. Entsprechend wichtig sind auch Konjunkturdaten außerhalb der USA.
Am 13. August veröffentlicht das britische Statistikamt ONS die zweite Schätzung zum BIP-Wachstum im zweiten Quartal. Ökonomen rechnen mit rund 0,4 Prozent – nach einem Plus von 0,6 Prozent im ersten Quartal, getragen vom Dienstleistungssektor.
Am 17. August folgt Japans vorläufiger BIP-Bericht für das zweite Quartal. Die privaten Konsumausgaben waren im Juni wegen anhaltender Inflation um 3,3 Prozent eingebrochen. Einige Analysten erwarten trotzdem ein insgesamt positives Wachstum, gestützt durch stabile Lohnentwicklungen.
Charttechnisch im Spurt Richtung Rekord
Der Fonds notiert derzeit 10,49 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 152,49 Euro – ein klares Zeichen für den intakten langfristigen Aufwärtstrend. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 15,91 Prozent zu Buche.
Die schmale Distanz von nur 0,28 Prozent zum bisherigen Rekordhoch macht die kommenden Konjunkturdaten zum entscheidenden Test. Bestätigen PPI, Einzelhandelszahlen und die GDP-Berichte aus Großbritannien und Japan das Bild einer sanften Abkühlung, könnte der ETF ein neues Allzeithoch erreichen. Fallen die Daten dagegen unerwartet schwach oder stark aus, droht zunächst eine Konsolidierung auf dem aktuellen Niveau.
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