Der Hype um künstliche Intelligenz weicht einer harten Realität: der physischen Verfügbarkeit von Chips. Während die weltweite Nachfrage ungebrochen scheint, bremsen strukturelle Engpässe das Tempo. Für den Halbleiter-Sektor beginnt nun eine Phase, in der reale Produktionskapazitäten wichtiger werden als reine Wachstumshoffnungen.
Entwarnung aus Südkorea
Die Sorge vor einem baldigen Ende des Chip-Zyklus wächst unter Investoren. Die Bank of Korea hält in einem aktuellen Bericht dagegen. Die Experten betonen, dass die Nachfrage durch massive Infrastruktur-Investitionen in KI-Systeme auf Rekordniveau bleibt. Der Markt wandelt sich dabei grundlegend.
Statt standardisierter Massenware dominieren zunehmend spezialisierte Produkte wie High Bandwidth Memory (HBM). In diesem Bereich ist der Wettbewerb extrem, die Fertigungskapazitäten sind jedoch knapp. Diese Imbalance dürfte die Branche nachhaltig transformieren.
Expansionspläne in den USA und Taiwan
Branchenriesen reagieren bereits auf den Mangel. Der südkoreanische Speicher-Spezialist SK Hynix prüft den Bau einer neuen Fabrik in den USA. Damit reagiert der Konzern auf den Bedarf an KI-Speichern, der die aktuellen Fertigungsmöglichkeiten übersteigt. Parallel dazu baut TSMC seine Kapazitäten in Taiwan massiv aus.
Im Chiayi Science Park entstehen drei neue Anlagen für fortschrittliches Packaging. Diese Technik gilt derzeit als das Nadelöhr der gesamten Industrie. Die neuen Werke sollen die regionale Clusterbildung stärken und die hohen Volumenanforderungen großer Chip-Designer absichern.
Performance und Kursmarken
Der VanEck Semiconductor ETF notiert aktuell bei 101,40 Euro. Seit Jahresbeginn summiert sich der Wertzuwachs auf beachtliche 84,50 Prozent. Damit führt der Sektor die Performance-Ranglisten weiterhin an.
Trotz dieser Stärke liegt der Kurs rund neun Prozent unter seinem Rekordhoch vom Juni. Die annualisierte Volatilität bleibt mit über 60 Prozent hoch. Diese Schwankungsbreite spiegelt die Nervosität wider, die durch geopolitische Spannungen und das hohe Tempo der industriellen Mobilisierung entsteht.
Bewährungsprobe für ASML und TSMC
Die kommenden Tage gelten am Markt als „Super-Woche“. Mit ASML und TSMC legen zwei der einflussreichsten Schwergewichte ihre Quartalszahlen vor. ASML hatte die Umsatzprognose für 2026 bereits angehoben. Nun muss der Konzern belegen, dass Kunden die Kapazitäten für modernste Lithografie-Systeme tatsächlich schneller ausbauen.
Bei TSMC liegt der Fokus auf der Marktführerschaft bei der 2-Nanometer-Technologie. Die Auftragsbücher des Unternehmens reichen teilweise bereits bis in das Jahr 2027. Bestätigen beide Unternehmen ihre ehrgeizigen Ziele, rückt das Allzeithoch bei 111,18 Euro wieder in den Fokus. Enttäuschen die Ausblicke hingegen, droht ein Rücksetzer in Richtung des 50-Tage-Durchschnitts bei etwa 96 Euro.
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