Nach einer brutalen Verkaufswoche fangen sich Chip-Aktien wieder. Der VanEck Semiconductor UCITS ETF schloss am Montag bei 92,79 Euro, ein Plus von 0,69 Prozent. Die Frage ist, ob das der Auftakt zu einer echten Trendwende ist oder nur eine technische Gegenbewegung.
Die Vorzeichen sind gemischt. Der Fonds liegt noch immer 15,81 Prozent unter seinem Stand von vor 30 Tagen und 16,54 Prozent unter seinem Rekordhoch vom 30. Juni. Der 50-Tage-Durchschnitt bei 97,34 Euro bleibt als Widerstand über dem aktuellen Kurs liegen.
Der Ausverkauf und seine Ursachen
Was war passiert? Der Philadelphia Semiconductor Index war am Freitag zuvor offiziell in einen Bärenmarkt gerutscht. Er schloss mehr als 20 Prozent unter seinem Rekordhoch von Ende Juni. Auf Jahressicht bleibt der Index trotzdem mit rund 57 Prozent im Plus.
Zwei Faktoren trieben den Ausverkauf. Erstens wachsen die Sorgen vor chinesischer Konkurrenz. Der Startup Moonshot hat mit Kimi K3 ein KI-Modell vorgestellt, das deutlich günstiger läuft als US-amerikanische Konkurrenzprodukte. Zweitens meldete Taiwan Semiconductor Manufacturing Company höhere Investitionsausgaben als erwartet — auch wegen steigender Preise für Fertigungsanlagen. Das nährt Zweifel, ob die KI-Infrastruktur langfristig so profitabel bleibt wie gedacht.
Analysten sehen darin allerdings keinen Bruch mit der KI-Story. UBS-Analysten bezeichnen den Rückgang von 20 Prozent binnen eines Monats als reine „Positionsbereinigung nach einer Rally von 90 Prozent seit Jahresbeginn“. JPMorgan-Stratege Mislav Matejka geht davon aus, dass Chip-Werte angesichts starker Gewinnzahlen bald einen Boden finden.
Intel als nächster Prüfstein
Die Erholung fällt mitten in eine dichte Berichtssaison. Diese Woche legen mehrere Schwergewichte ihre Quartalszahlen vor, darunter Alphabet, Tesla, Intel und IBM. Für den Fonds zählt vor allem Intel, eine seiner Kernpositionen.
Intel meldet seine Zahlen für das zweite Quartal am 23. Juli nach US-Börsenschluss. Der Markt geht optimistisch in den Termin, getragen von starker Nachfrage nach KI-Servern und CPUs sowie Partnerschaften mit großen Hyperscalern. Analysten rechnen mit einem Gewinn von 0,22 Dollar je Aktie — nach einem Verlust von 0,10 Dollar im Vorjahresquartal. Beim Umsatz wird ein Anstieg von knapp 12 Prozent auf 14,42 Milliarden Dollar erwartet. Das Konsens-Rating bleibt trotz der positiven Erwartungen bei „Hold“.
Wie der Fonds aufgebaut ist
Die Struktur des Index erklärt einen Teil der diesjährigen Entwicklung. Der Fonds bildet den MarketVector U.S. Listed Semiconductor 10% Capped Screened Index nach. Dieser deckt die größten 25 Prozent der US-notierten Halbleiterwerte ab, deckelt Einzelpositionen aber bei 10 Prozent.
Diese Deckelung hat sich 2026 ausgezahlt. Nvidia blieb im ersten Halbjahr hinter der Fondsentwicklung zurück — durch die Kappung bei 10 Prozent und die vierteljährliche Neugewichtung wirkte sich das nur begrenzt aus. Ausrüstungshersteller innerhalb des Fonds haben dagegen deutlich stärker abgeschnitten als der Gesamtmarkt und stützten die Performance.
Mit Intel, Texas Instruments und weiteren Schwergewichten, die in den kommenden Tagen berichten, entscheidet sich, ob die KI-Investitionsstory die Kursgewinne des Jahres rechtfertigt. Ein RSI von 42,9 zeigt: Der Fonds hat die überverkaufte Zone verlassen, eine bestätigte Trendwende ist das noch nicht.
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