Der Halbleiterkonzern TSMC hat bei Zulieferern angefragt, ob für Fabrikautomatisierungsanlagen auch Motoren ohne Seltene Erden eingesetzt werden können. Wie Reuters berichtet, sollen damit mögliche chinesische Lieferunterbrechungen abgefedert werden. Die Gespräche befinden sich nach Angaben der Nachrichtenagentur in einem frühen Stadium, eine breite Umstellung ist bislang nicht beschlossen.
Der Vorstoß des weltgrößten Auftragsfertigers für Chips zeigt, wie tief die Sorge vor Lieferengpässen bei Seltenen Erden inzwischen reicht. Auslöser ist die anhaltende Knappheit bei Yttrium, die Japan zunehmend zu schaffen macht.
Ein Vertreter des japanischen Industrieministeriums erklärte gegenüber AFP, die Yttrium-Exporte seien weltweit ins Stocken geraten, die Lieferungen nach Japan seien zurückgegangen und verzögerten sich. Chinesische Zolldaten belegen das Ausmaß: Im September gingen lediglich 4.000 Kilogramm Yttriumoxid nach Japan, im Vorjahresmonat waren es noch 51.000 Kilogramm.
China verteidigt seine Exportkontrollen gegenüber Japan weiterhin damit, eine „Remilitarisierung“ und nukleare Ambitionen verhindern zu wollen, wie eine Sprecherin des chinesischen Außenministeriums vor rund zwei Tagen erklärte.
Anleger reagieren mit Verkäufen
Für den VanEck Seltene Erden ETF bedeutet die Entwicklung erneuten Druck. Der Fonds notiert aktuell bei 9,00 Euro und verliert damit am heutigen Freitag 1,2 Prozent.
Dass selbst ein Industriekonzern wie TSMC aktiv nach Alternativen zu Seltenerd-Komponenten sucht, unterstreicht die Nervosität der gesamten Lieferkette – und trifft die im ETF gebündelten Minen- und Verarbeitungsunternehmen direkt, da ihre Geschäftsgrundlage von ungebrochener Nachfrage nach genau diesen Rohstoffen abhängt.
Der Kursverlauf der vergangenen Wochen spiegelt diese Verunsicherung wider: Seit Jahresanfang steht der ETF mit 28 Prozent im Minus. Sollte sich die Suche nach seltenerdfreien Alternativen bei weiteren Großkunden wie TSMC fortsetzen, könnte dies langfristig die strukturelle Nachfragebasis für die im Fonds enthaltenen Werte schwächen – auch wenn die aktuellen Gespräche noch keinen konkreten Umsetzungsschritt darstellen.
Lieferketten unter Beobachtung
Die Episode zeigt exemplarisch, wie empfindlich globale Technologiekonzerne auf geopolitische Spannungen rund um Seltene Erden reagieren. Solange China die Kontrolle über wesentliche Teile der Yttrium- und Seltenerdmetall-Lieferketten behält, bleiben Abnehmer wie TSMC bestrebt, ihre Abhängigkeit zu verringern.
Für Anleger im VanEck-ETF bedeutet das: Die fundamentale Nachrichtenlage bleibt angespannt, unabhängig von kurzfristigen Kursschwankungen. Ob sich aus den frühen Lieferanten-Gesprächen bei TSMC tatsächlich eine Umstellung ergibt, dürfte sich erst in den kommenden Monaten zeigen.
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