Während der VanEck Seltene Erden ETF seit Jahresbeginn tief im Minus notiert, liefert die zugrunde liegende Branche widersprüchliche Signale. Chinas Exporte von Seltenerd-Dauermagneten erreichten im September mit 6.165,12 Tonnen ein Rekordniveau für das laufende Jahr, wie die Shanghai Metals Market unter Berufung auf Daten der chinesischen Zollbehörde berichtete. Das entspricht einem Plus von 23 Prozent gegenüber dem Vormonat und 6,7 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert. Die Analysten von SMM führten den Anstieg auf die Abarbeitung aufgestauter Bestellungen sowie auf Handelsgespräche zurück.
Rekordexporte treffen auf schwache Fondsbewertung
Der ETF selbst zeigt davon bislang wenig Rückenwind: Der Kurs notiert bei 8,89 Euro und damit nur knapp über dem jüngsten 52-Wochen-Tief von 8,74 Euro, das erst am Montag markiert wurde. Die Diskrepanz zwischen operativen Fortschritten einzelner Branchenwerte und der Kursentwicklung des Fonds verdeutlicht, wie stark das Sentiment am Seltenerd-Sektor derzeit von Unsicherheit geprägt ist – trotz handfester Exportdaten aus China.
Auch der Handel mit der EU zieht an: Die Exporte von Seltenerd-Magneten in die Europäische Union stiegen im September um 20,5 Prozent gegenüber dem Vormonat auf 2.454 Tonnen, den höchsten Stand seit Februar, berichtete die South China Morning Post unter Berufung auf Zolldaten. Die Zeitung brachte die Erholung mit Handelsgesprächen zwischen Peking und Brüssel in Verbindung.
Lynas liefert starke Zahlen, Aktienmarkt bleibt volatil
Ein Lichtblick innerhalb des ETF-Portfolios kommt von Lynas Rare Earths. Der Produzent meldete für das September-Quartal einen Bruttoumsatz von 310,1 Millionen australischen Dollar, ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der durchschnittliche Verkaufspreis kletterte um 88 Prozent auf ein Rekordniveau von 102,1 australischen Dollar pro Kilogramm.
Lynas begründete den Preisanstieg mit einer stärkeren Marktpreisbildung, gebündelten Verkäufen und Mindestpreisvereinbarungen, die mehr als die Hälfte der Produktion abdecken. Die Produktion von Neodym-Praseodym erreichte mit 2.082 Tonnen ebenfalls einen Rekordwert.
Parallel dazu zeigte sich der breitere Aktienmarkt für Seltenerd-Werte in der vergangenen Woche extrem schwankungsanfällig. USA Rare Earth legte an einem Tag um rund 13 Prozent zu, während ein unabhängiger Branchenindex an einem anderen Tag um 4,83 Prozent fiel.
Medienberichten zufolge ließ sich für die Rally kein einzelner klarer Auslöser identifizieren – als Themen kursierten Handelsgespräche zwischen den USA und China sowie staatliche Unterstützung für kritische Mineralien.
Strukturelle Unsicherheit bleibt bestehen
Zusätzliche Unsicherheit bringt ein Bericht von Reuters, wonach der Chiphersteller TSMC nach Alternativen für Fabrikausrüstung sucht, um seine Abhängigkeit von chinesischen Seltenerd-Exportkontrollen zu verringern. Solche Diversifizierungsbemühungen großer Abnehmer könnten mittelfristig die Nachfragedynamik im Sektor verändern, auch wenn sie kurzfristig kein unmittelbares Ereignis für den ETF darstellen.
Für Anleger ergibt sich damit ein zweigeteiltes Bild: Auf operativer Ebene liefern sowohl die chinesischen Exportzahlen als auch Lynas robuste Wachstumssignale.
Die Kursentwicklung des VanEck Seltene Erden ETF spiegelt diese Stärke bislang jedoch nicht wider – ein Hinweis darauf, dass die Marktteilnehmer die geopolitischen Risiken rund um Exportkontrollen und Lieferkettenverschiebungen weiterhin höher gewichten als die fundamentalen Fortschritte einzelner Produzenten.
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