Zehn Jahre lang hatten Dividendenanleger bei VanEck nur eine Wahl: ausschütten oder gar nicht investieren. Jetzt bringt der Anbieter einen thesaurierenden Ableger seines Flaggschiff-ETFs an den Markt. Der Grund dafür liegt tief in der Fondsstruktur selbst.
Der VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF notiert aktuell bei 52,76 Euro, nach einem Rückgang von 0,23 Prozent am Mittwoch. Vom 52-Wochen-Hoch bei 54,48 Euro aus dem April ist der Fonds nur gut drei Prozent entfernt. Auf Jahressicht steht ein Plus von 22,91 Prozent, seit Jahresbeginn sind es 9,10 Prozent.
Warum die Niederlande zum Problem wurden
Der Flaggschiff-Fonds startete 2016 mit Sitz in den Niederlanden. Das ergab damals Sinn: Der europäische ETF-Markt steckte noch in den Kinderschuhen, und der niederländische Sitz erlaubte lokalen Anlegern, einen Teil der Quellensteuer zurückzufordern.
Ein Nachteil zeigte sich erst später. Die niederländische Fondsstruktur lässt keine thesaurierende Anteilsklasse zu. Wer die Dividenden automatisch reinvestieren wollte, hatte bei diesem Fonds schlicht keine Option.
VanEck hätte einen baugleichen Fonds mit irischem Sitz auflegen können. Das Unternehmen entschied sich dagegen — aus Sorge, Anleger mit zwei fast identischen Produkten zu verwirren. Die Lösung heißt jetzt Morningstar Developed Markets ex-US Dividend Leaders UCITS ETF, gelistet in Frankfurt und London, mit identischer Kostenquote von 0,38 Prozent.
Zwei Strategien, eine Familie
Der neue Fonds unterscheidet sich vom großen Bruder in einem entscheidenden Punkt: Er lässt US-Aktien komplett außen vor. Das Anlagevermögen bewegt sich dementsprechend noch in einer völlig anderen Größenordnung als beim Flaggschiff-Fonds.
Dieser bleibt mit 8,3 Milliarden Euro verwaltetem Vermögen das Schwergewicht der Produktfamilie. Zu den größten Positionen zählen HSBC, Verizon, Nestlé, Pfizer und PepsiCo — ein Mix aus Finanzwerten, Gesundheit und Konsumgütern. ESG-Filter und Kontroversen-Screenings sortieren Unternehmen mit fragwürdigen Geschäftspraktiken schon vor der Indexaufnahme aus.
Charttechnik ohne Extreme
Der Kurs liegt aktuell 0,74 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt von 52,37 Euro und 6,00 Prozent über der 200-Tage-Linie von 49,78 Euro. Der 14-Tage-RSI steht bei 57 — weder überkauft noch überverkauft, mit Raum für Bewegung in beide Richtungen.
Für Dividendenanleger läuft die Entscheidung künftig auf zwei grundverschiedene Ansätze hinaus. Auf der einen Seite steht der etablierte, ausschüttende Fonds mit globaler Streuung inklusive US-Aktien und einem milliardenschweren Anlagevermögen. Auf der anderen Seite die jüngeren, thesaurierenden Varianten, die US-Titel bewusst ausschließen und auf Steuereffizienz setzen — aber noch keine lange Historie vorweisen können.
Der Flaggschiff-Fonds selbst bleibt dabei unverändert: Er schüttet weiterhin viermal jährlich aus. Wer stattdessen automatisch reinvestieren will, findet bei VanEck jetzt erstmals eine Alternative innerhalb derselben Produktfamilie.
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