Fünf Jahre lang durften viele europäische Banken und Versicherer nicht in einen der bekanntesten Dividenden-ETFs Europas. Der Grund: Sie hatten während der Pandemie ihre Ausschüttungen gestrichen. Jetzt sind sie zurück — und schieben den VanEck Morningstar Developed Markets Dividend Leaders UCITS ETF auf Rekordkurs.
Am Freitag schloss der Fonds bei 55,58 Euro. Das liegt nur 0,1 Prozent unter seinem Allzeithoch von 55,66 Euro, aufgestellt am 4. August 2026. Seit Jahresbeginn steht ein Plus von 16 Prozent zu Buche.
Die Lücke von 2020 schließt sich
Der Auslöser für die aktuelle Stärke liegt tief im Regelwerk des zugrunde liegenden Index. Der Morningstar Developed Markets Large Cap Dividend Leaders Screened Select Index prüft für jede Aufnahme die Dividendenkontinuität der vergangenen fünf Jahre.
2020 hatten die Europäische Zentralbank und andere Aufseher Banken gedrängt, ihre Dividenden auszusetzen. Kapital sollte geschont werden. Diese eine ausgefallene Zahlung reichte, um zahlreiche Institute jahrelang aus dem Index zu werfen.
Mit dem Rebalancing 2026 fällt das Jahr 2020 nun aus dem Fünf-Jahres-Fenster heraus. Die Folge: Eine ganze Welle europäischer Banken und Versicherer ist wieder aufnahmefähig. Der Finanzsektor macht mittlerweile rund 44 Prozent des Portfolios aus. Europa kommt inzwischen auf einen Anteil von 68 Prozent, während die US-Gewichtung entsprechend zurückgegangen ist.
Wer im Fonds steckt
Der ETF hält aktuell 100 Titel, ausgewählt nach Dividendenrendite und Ausschüttungsqualität. Die zehn größten Positionen vereinen 34,45 Prozent des Vermögens auf sich. Zu den Schwergewichten zählen:
- Verizon Communications
- HSBC Holdings
- Nestlé
- Pfizer
- Shell
Die Indexmethodik bewertet nicht nur die aktuelle Rendite, sondern auch die Fähigkeit eines Unternehmens, seine Dividende zu halten und zu steigern. Dieser Qualitätsfokus hat zuletzt zu einer Rotation weg vom Energiesektor geführt. Dessen Gewicht sank von rund 19 Prozent auf etwa 11,5 Prozent, weil das Dividendenwachstum dort zuletzt nachließ.
Charttechnik zeigt Überhitzung
Der Fonds notiert 8,9 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 51,03 Euro. Das signalisiert einen intakten langfristigen Aufwärtstrend. Der 14-Tage-RSI liegt bei 68,1 und nähert sich damit der Schwelle, ab der Charttechniker von einer überkauften Situation sprechen.
Trotzdem bleibt die annualisierte 30-Tage-Volatilität mit 7,7 Prozent niedrig. Für einen Fonds mit derart konzentrierter Sektorwette ist das bemerkenswert ruhig. Es passt zum Profil: Anleger suchen hier einen stabilen Ertragskern, keine Wachstumsstory.
Die nächste Ausschüttung ist für den 10. September 2026 terminiert. Ob die Rotation in Finanzwerte und Substanzaktien anhält, hängt maßgeblich davon ab, wie lange die aktuellen Dividendenrenditen im Bankensektor attraktiv bleiben. Sinken sie durch weitere Kursgewinne, dürfte die Indexmethodik erneut umschichten.
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