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Valneva nach EMA-Validierung: Wie tragfähig ist die Neubewertung?

Valneva verzeichnet Kurssprung nach EMA-Validierung des Lyme-Impfstoffs, während Halbjahresverluste deutlich steigen. Analysten sehen Potenzial trotz operativer Schwächen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • EMA prüft Pfizer-Partnerschafts-Impfstoff
  • Nettoverlust verdreifacht sich im Halbjahr
  • Kursziel von 12 Dollar bei TD Cowen
  • RSI signalisiert überkaufte Aktie

Ausgangslage

Valneva hat einen turbulenten Handelstag hinter sich: Die Aktie schoss am Freitag um 27 Prozent nach oben und schloss bei 3,06 Euro. Auslöser war die Meldung, dass die europäische Arzneimittelbehörde EMA den Zulassungsantrag für PF-07307405 validiert hat – den gemeinsam mit Pfizer entwickelten Impfstoffkandidaten gegen Lyme-Borreliose.

Die Validierung bedeutet, dass die Behörde den Antrag zur inhaltlichen Prüfung angenommen hat, nicht mehr und nicht weniger. Eine Zulassungsentscheidung steht noch aus.

Dass dieser regulatorische Zwischenschritt derart kursbewegend wirkte, hat einen Grund: Er traf fast zeitgleich auf die Halbjahreszahlen, die Valneva am Vortag vorgelegt hatte.

Der Nettoverlust lag bei 63,3 Millionen Euro und damit mehr als dreifach über dem Vorjahreswert von 20,8 Millionen Euro – belastet durch schwächere Margen, rückläufige Reiseimpfstoff-Volumina und Einmalkosten im Zusammenhang mit der Beendigung von IXCHIQ-Verträgen.

Die Produktumsätze von 64,0 Millionen Euro lagen im erwarteten Rahmen, die Jahresprognose von 135 bis 150 Millionen Euro wurde bestätigt. Der Kassenbestand stieg zum 30. Juni auf 121,5 Millionen Euro. Genau in diesem Spannungsfeld – schwache operative Zahlen gegen eine potenziell milliardenschwere Zulassungsfantasie – bewegt sich die Aktie jetzt.

Die entscheidende Frage

Für Anleger reduziert sich die Lage auf eine zentrale Frage: Trägt die Lyme-Impfstoff-Fantasie über die Verlustzahlen hinaus, oder war der Freitagssprung eine überzogene Reaktion auf einen reinen Verfahrensschritt? Valneva selbst rechnet mit regulatorischen Entscheidungen innerhalb der nächsten zwölf Monate.

Bis dahin bleibt die Bewertung der Aktie im Kern eine Wette auf den Ausgang dieses Verfahrens – gestützt auf eine in der Phase-3-Studie VALOR beobachtete Wirksamkeit von mehr als 70 Prozent bei guter Verträglichkeit.

Bullisches Szenario

Bestätigt die EMA den Impfstoff in den kommenden Monaten, würde Valneva gemeinsam mit Pfizer Zugang zu einem bislang unbedienten Markt erhalten – einem ersten Lyme-Impfstoff für den europäischen Raum. Der Analyst Tara Bancroft von TD Cowen initiierte am 11. August die Coverage mit einer Kaufempfehlung und einem Kursziel von 12 US-Dollar, was die potenzielle Neubewertung illustriert.

Parallel zeigt der laufende Umbau erste Wirkungen: Die Restrukturierung mit Stellenabbau und die vereinbarte Veräußerung des Standorts Nantes für 6,2 Millionen Euro, deren Abschluss für September avisiert ist, sollen den Cash-Verbrauch senken.

Auch das Chikungunya-Vakzin IXCHIQ liefert operative Substanz: In Brasilien wurden im Rahmen der ersten großangelegten öffentlichen Impfkampagne des Gesundheitsministeriums bereits rund 50.000 Erwachsene geimpft.

Bärisches Szenario

Die Kehrseite ist ebenso real. Eine Validierung ist keine Zulassung – die inhaltliche Prüfung durch die EMA kann sich über Monate hinziehen und zu Rückfragen oder Verzögerungen führen. Operativ zeigen die Halbjahreszahlen, dass das Kerngeschäft unter Druck steht: Der verdreifachte Verlust und die schrumpfenden Reiseimpfstoff-Volumina deuten auf strukturelle Probleme jenseits der Lyme-Fantasie hin.

Zudem ist die Aktie nach dem Kurssprung technisch überhitzt – der RSI von 80,6 signalisiert eine deutlich überkaufte Situation, und der Abstand von 35 Prozent zum 50-Tage-Durchschnitt zeigt, wie weit sich der Kurs kurzfristig von seinem gleitenden Mittel entfernt hat.

Die annualisierte Volatilität von 88 Prozent unterstreicht, wie schwankungsanfällig das Papier aktuell ist. Ein Rücksetzer nach dem Freitagssprung wäre keine Überraschung, sondern eher die Norm nach solchen Bewegungen.

Ausblick

Solange die regulatorische Erwartungshaltung intakt bleibt und keine negativen Signale aus dem EMA-Prüfprozess durchsickern, dürfte die Zulassungsfantasie den Kurs stützen – auch wenn der Abstand zum 52-Wochen-Hoch von 5,36 Euro mit 43 Prozent noch beträchtlich ist.

Kippt jedoch die Wahrnehmung, etwa durch Anzeichen einer längeren oder kritischeren Prüfung, oder rücken die schwachen operativen Zahlen wieder in den Vordergrund, könnte die Aktie einen Großteil des jüngsten Sprungs wieder abgeben – zumal der 200-Tage-Durchschnitt bei 3,26 Euro noch über dem aktuellen Niveau liegt.

Der nächste konkrete Anhaltspunkt für Anleger ist der weitere Verlauf des EMA-Prüfverfahrens für PF-07307405, dessen Entscheidung Valneva selbst binnen zwölf Monaten erwartet. Bis dahin bleibt die Aktie ein Vehikel für Anleger, die bereit sind, hohe Schwankungen für eine binäre regulatorische Wette in Kauf zu nehmen.

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Diskussion zu Valneva

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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