Für Valneva beginnt eine der wichtigsten Wochen des Jahres. Der Aktienkurs dümpelt nahe dem Mehrjahrestief bei 2,30 Euro. Ein Minus von 40 Prozent seit Jahresbeginn spricht Bände. Die Folge: maximale Anspannung vor zwei Ereignissen, die den Kurs massiv bewegen könnten.
Hauptversammlung unter Druck
Am Dienstag trifft das Management in Lyon auf die Aktionäre. Die Stimmung dürfte angespannt sein. Im April startete Valneva ein hartes Sparprogramm. Der Konzern streicht bis zu 15 Prozent der weltweiten Stellen. Die Betriebskosten sollen im Vergleich zu 2025 um rund ein Drittel sinken. Investoren fordern nun Klarheit über die weitere Pipeline-Strategie.
Warten auf die Shigella-Daten
Das weitaus wichtigere Signal kommt aus der Forschung. Valneva erwartet in diesen Tagen erste Phase-2-Daten für seinen Shigella-Impfstoffkandidaten S4V2. Die Krankheit ist die weltweit zweithäufigste Ursache für tödliche Durchfallerkrankungen. Bisher gibt es in westlichen Märkten keinen zugelassenen Impfstoff.
Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat dem Projekt bereits den Fast-Track-Status verliehen. Das Marktpotenzial schätzen Experten auf über 500 Millionen Dollar jährlich. Fallen die Studiendaten positiv aus, übernimmt Valneva die komplette Weiterentwicklung. Eine Entscheidung dazu fällt im zweiten Halbjahr.
Pfizer-Partnerschaft und frisches Kapital
Parallel dazu treibt Partner Pfizer den Borreliose-Impfstoff voran. Die Phase-3-Studie zeigte eine Wirksamkeit von rund 74 Prozent. Pfizer bereitet aktuell die Zulassungsanträge vor. Jeder formelle Schritt in diesem Prozess bietet Kursfantasie.
Finanziell bleibt die Lage derweil herausfordernd. Im ersten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 32,1 Millionen Euro. Das Management senkte die Umsatzprognose für das Gesamtjahr wegen einer schwachen Nachfrage nach Reiseimpfstoffen. Im April sammelte Valneva daher 37 Millionen Euro über eine Privatplatzierung ein.
Charttechnisch notiert die Aktie im Niemandsland. Mit 2,30 Euro liegt der Kurs knapp unter der 50-Tage-Linie von 2,46 Euro. Das 52-Wochen-Tief bei 2,13 Euro bietet eine nahe Unterstützung. Die anstehenden Shigella-Daten wirken nun als klarer Katalysator. Überzeugen die Ergebnisse, rückt der 50-Tage-Durchschnitt als erstes Ziel ins Visier. Enttäuscht die Studie, droht ein direkter Test der bisherigen Tiefststände.
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