Valneva startet mit einem klaren Schnitt ins Jahr 2026: Die Kooperation mit dem weltgrößten Impfstoffhersteller beim Chikungunya-Impfstoff ist Geschichte, die Verantwortung liegt wieder vollständig im eigenen Haus. Im Zentrum steht damit nicht der aktuelle Kurs, sondern die Frage, ob der Schritt zu mehr Kontrolle langfristig mehr Chancen oder mehr Risiken bringt.
Volle Kontrolle statt Partner
Am späten Nachmittag des 31. Dezember 2025 gab Valneva bekannt, dass die Lizenzvereinbarung mit dem Serum Institute of India (SII) für den Einzeldosis-Chikungunya-Impfstoff einvernehmlich beendet wurde. SII ist einer der wichtigsten globalen Player im Impfstoffmarkt – entsprechend einschneidend ist dieser Schritt für das Geschäftsmodell rund um eines der zentralen Produkte in der Pipeline.
Kern der Neuausrichtung: Valneva will die operative Kontrolle über Lieferkette und Kommerzialisierung in endemischen Hochrisikogebieten selbst ausüben. Anstatt Produktion und Vertrieb in bestimmten Regionen an den indischen Partner auszulagern, werden diese Aufgaben wieder vollständig ins eigene Verantwortungsgebiet zurückgeholt.
Die Aktie notierte gestern in den USA bei 4,20 US‑Dollar. Die eigentliche Kursreaktion auf die Meldung dürfte mit der Wiederaufnahme des regulären Handels nach dem Feiertag sichtbar werden.
Die neue Strategie im Überblick
Die Beendigung der Partnerschaft mit SII folgt einer klaren unternehmensstrategischen Logik: höhere Kontrolle, potenziell bessere Margen – dafür mehr eigenes Risiko.
Wesentliche Eckpunkte des Schritts:
- Vollständige Rechte: Valneva hält wieder die uneingeschränkten Rechte am Chikungunya-Impfstoff, Lizenzgebühren oder Transferpreisabschläge zugunsten SII entfallen.
- Schnellerer Marktzugang: Das Management rechnet damit, den Zugang zum Vakzin in stark betroffenen Regionen künftig direkter und effizienter gestalten zu können als im bisherigen Partnerkonstrukt.
- Finanzielle Basis: Eine bereits im Juli 2024 geschlossene Vereinbarung mit der Coalition for Epidemic Preparedness Innovations (CEPI), kofinanziert von der EU, bildet die finanzielle Grundlage. Diese Mittel sollen insbesondere den Zugang in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen (LMICs) sichern.
Mit dem Ausstieg aus der Kooperation entfallen allerdings auch die Produktionskapazitäten und die lokalen Netzwerke von SII. Valneva trägt nun das volle operative Risiko in teils infrastrukturell schwierigen Märkten – von der Herstellung über die Logistik bis hin zur Auslieferung.
Sollten Anleger sofort verkaufen? Oder lohnt sich doch der Einstieg bei Valneva?
Chancen und Risiken im Kontext
Die Entscheidung markiert einen klaren Strategiewechsel. In den vergangenen Jahren setzte Valneva im Impfstoffgeschäft gezielt auf Partnerschaften, etwa mit Pfizer im Bereich Lyme-Borreliose oder eben mit SII, um Entwicklungsrisiken und Vertriebskosten zu teilen.
Der nun eingeschlagene Weg beim Chikungunya-Impfstoff deutet auf gewachsenes Vertrauen in die eigene kommerzielle Infrastruktur hin. Branchenbeobachter sehen darin eine ambivalente Entwicklung:
- Positive Seite: Ohne externe Lizenzpartner verbleibt ein größerer Anteil der Wertschöpfung im Unternehmen. Höhere Margen pro Dosis werden damit wahrscheinlicher, sofern Volumen und Preisgestaltung stimmen.
- Negative Seite: Die Skalierungskraft und Vertriebserfahrung von SII, insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern, fällt weg. Valneva muss eigene Strukturen aufbauen oder ausweiten und dies effizient finanzieren.
Historisch reagierte die Aktie sensibel auf Veränderungen im Partnernetzwerk. Nun ist entscheidend, ob die bestehende CEPI-Finanzierung ausreicht, um die Lücke der SII-Infrastruktur zu schließen, ohne die Liquidität zu stark zu beanspruchen.
Charttechnisch spiegelt sich die jüngste Erholung zumindest teilweise in den Daten wider: Mit 4,20 US‑Dollar liegt der Kurs rund 11 % über dem 30‑Tage-Niveau und gut 19 % über dem 200‑Tage-Durchschnitt von 3,52 US‑Dollar. Gleichzeitig beträgt der Abstand zum 52‑Wochen-Hoch bei 5,16 US‑Dollar noch etwa 19 %, was den Spielraum nach oben skizziert.
Nächste Schritte und Marktfokus
In den kommenden Wochen richtet sich der Blick auf konkrete Umsetzungsdetails und mögliche Anpassungen der Bewertungsmodelle:
- Analysten-Modelle: Durch die veränderte Verteilung von Umsätzen und Kosten im Chikungunya-Segment könnten größere Analysehäuser ihre Schätzungen überarbeiten.
- Operative Roadmap: Valneva muss transparent machen, wie Produktion, Lieferketten und Marktstrukturen in endemischen Ländern ohne SII organisiert werden sollen.
- Marktreaktion: Der Kurs hat sich in den vergangenen zwölf Monaten mit einem Plus von knapp 80 % deutlich erholt, bleibt aber klar unter dem 52‑Wochen-Hoch. Wie der Markt den Strategiewechsel einpreist, dürfte die weitere Richtung vorgeben.
Unterm Strich steht Valneva vor einer neuen Phase: Weg von der geteilten Verantwortung mit einem globalen Schwergewicht, hin zu mehr Eigenständigkeit bei einem Schlüsselprodukt – mit dem klaren Ziel, langfristig mehr Ertrag aus dem Chikungunya-Impfstoff zu ziehen, sofern der Aufbau der eigenen Strukturen planmäßig gelingt.
Valneva-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Valneva-Analyse vom 1. Januar liefert die Antwort:
Die neusten Valneva-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Valneva-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 1. Januar erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Valneva: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
