Zwei Investmentbanken, zwei völlig gegensätzliche Kursziele nahe beieinander und meilenweit auseinander zugleich. Bei Valneva zeigt sich diese Woche, wie tief die Meinungen über den französischen Impfstoffhersteller auseinanderklaffen. Die Aktie schloss am Freitag bei 2,22 Euro, ein Minus von 2,97 Prozent an einem einzigen Handelstag.
Auf Wochensicht steht ein Rückgang von 4,02 Prozent zu Buche. Damit liegt der Kurs nur noch 4,08 Prozent über dem 52-Wochen-Tief von 2,13 Euro vom 4. Mai. Seit dem Jahreshoch von 5,16 Euro im August 2025 hat die Aktie 57 Prozent ihres Wertes verloren. Auf Jahressicht steht ein Minus von über 42 Prozent.
Goldman sieht Verkauf, Jefferies sieht Kaufchance
Goldman Sachs stufte Valneva von „Neutral“ auf „Sell“ herab und senkte das Kursziel von 3,25 auf 2,15 Euro. Diese Marke liegt praktisch exakt auf dem Freitagsschluss. Die Bank begründet den Schritt mit einer Reihe von Rückschlägen im vergangenen Jahr.
Dazu zählt der Rückzug des Chikungunya-Impfstoffs Ixchiq ebenso wie das gescheiterte VALOR-Studienziel bei der Lyme-Borreliose. Goldman sieht den Zulassungsweg für den Borreliose-Kandidaten inzwischen als unsicher an.
Jefferies zieht einen völlig anderen Schluss. Die Bank bestätigte ihre Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 15 US-Dollar, nachdem die Phase-III-Ergebnisse des Lyme-Impfstoffs vorlagen. Auch Guggenheim bleibt bei „Buy“, senkte aber sein Kursziel. Die Spanne zwischen einer Verkaufsempfehlung nahe dem aktuellen Kurs und Kaufzielen mit mehrfachem Aufwärtspotenzial zeigt, wie sehr alles an der noch offenen Zulassung für den Borreliose-Impfstoff hängt.
Charttechnik gibt keine Entwarnung
Die technische Lage bleibt angespannt. Valneva notiert unter allen wichtigen gleitenden Durchschnitten: 7,07 Prozent unter der 50-Tage-Linie bei 2,39 Euro, deutlich unter dem 100-Tage-Schnitt von 2,98 Euro. Zum 200-Tage-Durchschnitt bei 3,48 Euro klafft eine Lücke von 36,25 Prozent.
Der 14-Tage-RSI liegt bei 37,9. Das nähert sich überverkauftem Terrain, ohne bereits eine klare Trendwende zu signalisieren. Die annualisierte 30-Tage-Volatilität von 30,53 Prozent spiegelt die Unsicherheit rund um den Titel wider.
Finanzen unter Druck
Die pessimistische Sichtweise stützt sich vor allem auf die Zahlen. Der Umsatz im ersten Quartal blieb deutlich unter Vorjahresniveau, der Nettoverlust weitete sich spürbar aus. Das Management reagiert mit angekündigten Kostensenkungen.
Die Barreserven bieten zwar noch einen Puffer, sind aber im Vergleich zu den Vorquartalen merklich geschrumpft. Genau das erklärt, warum manche Analysten dem Unternehmen kaum noch Spielraum für weitere Fehltritte einräumen — während gleich zwei wichtige Zulassungsentscheidungen noch aussteht.
Zwei Studien entscheiden über die Richtung
Die Kaufargumente stützen sich auf zwei klinische Programme. Der gemeinsam mit Pfizer entwickelte Borreliose-Impfstoff bleibt der am genauesten beobachtete Wert im Portfolio. Pfizer hat angekündigt, noch in diesem Jahr einen Zulassungsantrag einzureichen.
Ein zweiter Kandidat, der Shigella-Impfstoff, durchläuft derzeit die mittlere Studienphase. Erste Daten werden im Laufe von 2026 erwartet. Für keinen der beiden Katalysatoren steht ein festes Datum fest — der Kurs dürfte deshalb vorerst stärker von Stimmung und charttechnischen Marken getrieben werden als von neuen fundamentalen Fakten.
Bis entweder der Zulassungsantrag für den Borreliose-Impfstoff eingereicht wird oder die Shigella-Daten vorliegen, dürfte sich die Aktie in einer engen Spanne knapp über ihrem Jahrestief bewegen. Die extrem unterschiedlichen Kursziele der Analysten machen deutlich: Wer hier investiert, wettet im Grunde auf den Ausgang zweier noch offener klinischer Entscheidungen.
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