Die Niederlage der Republikaner bei den US-Zwischenwahlen verschafft dem Goldpreis eine spürbare Atempause. Weil der US-Dollar nach dem Urnengang nachgab und die Renditen von US-Staatsanleihen sanken, verteuerte sich die Feinunze am Donnerstagmorgen auf 4.058 Dollar. Anleger greifen wieder zu, nachdem die Notierung Ende Oktober noch bei 3.866 Dollar markiert worden war.
Das politische Patt in Washington dämpft die Erwartungen an schuldenfinanzierte Ausgabenprogramme von Präsident Donald Trump. Geringere Kreditaufnahmen der weltgrößten Volkswirtschaft bedeuten weniger Aufwärtsdruck für die Zinsen. Da das Edelmetall keine laufenden Zinserträge abwirft, verbessert ein Rückgang der Anleiherenditen die relative Attraktivität des Rohstoffs unmittelbar.
Trotz des jüngsten Anstiegs bleibt der Abstand zum Rekordhoch beträchtlich. Im Januar 2026 hatte der Goldpreis in der Spitze noch 5.570 Dollar erreicht, ehe eine monatelange Korrektur einsetzte.
Zentralbanken stützen das Fundament
Hinter den jüngsten Kursschwankungen steht ein geteiltes Nachfragebild. Im dritten Quartal lag der weltweite Goldbedarf mit 1.369 Tonnen knapp ein Prozent unter dem Vorjahreswert. Während Privatanleger bei Barren und Münzen spürbar zurückhaltender agierten und die Nachfrage hier um 19 Prozent nachgab, bauten Notenbanken ihre Bestände kräftig aus.
Die Währungshüter kauften netto 321 Tonnen Gold zu. Dies entspricht einem Zuwachs von 42 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Parallel dazu verzeichneten physisch hinterlegte Gold-ETCs nach vorherigen Abflüssen wieder deutliche Kapitalzuflüsse.
Branchenbeobachter werten die US-Zinserhöhung vom vergangenen September nicht als Auftakt zu einer neuen Straffungswelle, sondern lediglich als Korrektur vorangegangener Lockerungen. Sorgen über die Schuldentragfähigkeit der Staaten und die anhaltende Umschichtung offizieller Währungsreserven bilden das Fundament für das neu erwachte Interesse an der Krisenwährung.
