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US-Notenbank steuert auf erste Zinserhöhung seit 2023 zu

Die Fed dürfte den Leitzins um 25 Basispunkte anheben, während steigende Inflation und US-Renditen den geldpolitischen Kurs bestimmen.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Zinsschritt um 25 Basispunkte erwartet
  • Kerninflation übertrifft monatliche Prognosen
  • Zehnjährige US-Rendite erreicht 5,041 Prozent
  • Washington fordert niedrigere Zinsen

Die US-Notenbank steht vor einer weitreichenden Zinswende. An den Terminmärkten liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsschritt nach oben bei über 90 Prozent. Um 20:00 Uhr deutscher Zeit dürfte Fed-Chef Kevin Warsh den Leitzins um 25 Basispunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 Prozent anheben. Dahinter steht der Zwang, auf anziehende Teuerungsdaten und den Druck der Finanzmärkte zu reagieren.

Renditen zwingen die Notenbank zum Handeln

Den Ausschlag gaben jüngste Inflationsdaten. Die US-Kerninflation stieg im August im Monatsvergleich um 0,30 Prozent und übertraf damit die Erwartungen. Gleichzeitig treibt ein Ölpreis von rund 108 Dollar je Barrel Brent die Teuerungssorgen weiter an. Lieferstörungen in Saudi-Arabien nach Angriffen auf Pipelines belasten das Angebot zusätzlich.

Am Anleihemarkt hat diese Gemengelage bereits deutliche Spuren hinterlassen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte im Wochenverlauf auf 5,041 Prozent. Das markiert den höchsten Stand seit Juli 2007.

Wenn die Renditen am langen Ende derart davonlaufen, verliert die Notenbank die Kontrolle über die monetären Bedingungen. Marktbeobachter werten die erwartete Anhebung deshalb als notwendigen Schritt, um einen ungeordneten Ausverkauf von US-Staatspapieren zu verhindern. Die Notenbank zieht damit lediglich nach, was die Anleihemärkte längst vorweggenommen haben.

Politischer Gegenwind aus Washington

Der Zinsschritt birgt politische Brisanz. Knapp sieben Wochen vor den US-Kongresswahlen fordert das Weiße Haus vehement das Gegenteil. Präsident Trump drohte bereits mit Handelsbeschränkungen gegen Überschussländer, sollte die Fed die Zinsen nicht senken. Auch Vizepräsident JD Vance und das US-Finanzministerium drängten öffentlich auf tiefere Zinsen.

Warsh steht damit zwischen den Forderungen aus Washington und der Realität an den Kapitalmärkten. Allerdings gibt es auch innerhalb der Notenbank abweichende Ansichten. Einige Notenbanker verwiesen zuletzt darauf, dass die Kerninflation auf Jahressicht bei 2,40 Prozent liege und das Ziel damit in Sichtweite bleibe.

Europäische Märkte halten sich stabil

Die Aktienmärkte zeigen sich vor dem Zinsentscheid widerstandsfähig. Der DAX startete mit einem Plus von rund 100 Punkten in den Handelstag und näherte sich der Marke von 25.500 Punkten. Zuvor war der deutsche Leitindex am Dienstag zeitweise bis auf 25.170 Punkte abgerutscht.

Entscheidend für den weiteren Tagestrend wird der Auftritt von Kevin Warsh auf der Pressekonferenz um 20:30 Uhr sein. Tritt der Notenbankchef entschlossen auf, rechnen Volkswirte mit einer Beruhigung am langen Ende des Anleihemarkts. Eine zögerliche Kommunikation könnte die langfristigen Zinsen weiter nach oben treiben. Die vollständige Reaktion der europäischen Börsen folgt am Donnerstagmorgen, wenn zusätzlich der Zinsentscheid der Bank of England ansteht.

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Felix Baarz

Felix Baarz ist Wirtschaftsjournalist mit mehr als 15 Jahren Erfahrung in der Berichterstattung über internationale Finanzmärkte. Als gebürtiger Kölner begann er seine Laufbahn bei einer deutschen Fachpublikation, bevor er für sechs Jahre nach New York zog.

In New York berichtete er direkt aus dem Zentrum der globalen Finanzwelt über Entwicklungen an der Wall Street und wirtschaftspolitische Entscheidungen von internationaler Tragweite. Diese Zeit prägte seine analytische Herangehensweise an komplexe Wirtschaftsthemen.

Heute arbeitet Baarz als freier Journalist für führende deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzmedien. Seine Schwerpunkte liegen auf der fundierten Analyse globaler Finanzmärkte und der verständlichen Aufbereitung wirtschaftspolitischer Zusammenhänge. Neben seiner schriftlichen Arbeit moderiert er Fachdiskussionen und nimmt an Expertenrunden teil.

Sein journalistischer Ansatz kombiniert tiefgreifende Recherche mit präziser Analyse, um Lesern Orientierung in einer sich wandelnden Wirtschaftswelt zu bieten.