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US-Iran-Deal erschüttert Ölmärkte

Der Friedensrahmen zwischen Washington und Teheran drückt den Ölpreis, doch die Inflation bleibt eine Herausforderung für die Notenbanken.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Brent-Rohöl fällt auf 81 Dollar
  • Hormuz-Öffnung noch ungewiss
  • Zentralbanken erhöhen Leitzinsen
  • Aktienmärkte legen deutlich zu

Der Friedensrahmen zwischen Washington und Teheran sendet Schockwellen durch die globalen Finanzmärkte. Brent-Rohöl fiel am Dienstag um mehr als zwei Prozent auf rund 81 Dollar je Barrel — ein rapider Absturz von den Hochs oberhalb von 110 Dollar, die nach dem gemeinsamen US-israelischen Angriff auf Iran Ende Februar erreicht wurden. Doch hinter den fallenden Kursen steckt mehr als bloße Erleichterung.

Hormuz-Öffnung: Versprechen trifft auf Skepsis

Trumps Aussage auf dem G7-Gipfel in Frankreich war eindeutig: „Schiffe fangen jetzt an, auszulaufen, und am Freitag wird die Meerenge vollständig geöffnet sein.“ Für Freitag ist in der Schweiz die formelle Unterzeichnung des vorläufigen Friedensabkommens geplant. Bestandteile des Memorandums of Understanding sollen neben der Öffnung der Straße von Hormuz eine 60-tägige Verlängerung des Waffenstillstands und die Aufhebung der amerikanischen Blockade iranischer Häfen sein.

Doch das Wall Street Journal bremst die Euphorie. Zitiert werden ranghohe US-Beamte, die von bis zu zwei Wochen sprechen, bevor der Schiffsverkehr wieder normal läuft. Vizepräsident JD Vance, der an der Unterzeichnungszeremonie teilnehmen wird, sagte bei CNBC offen: „Es gibt noch sehr viele wichtige Details zu klären.“ Selbst die Frage, wann genau der Vertragstext veröffentlicht wird, ist unklar — Trump sprach von Freitag, andere Beamte von zwei Tagen.

Erschwerend kommt der israelisch-libanesische Konflikt hinzu. Premierminister Netanjahu soll ein Treffen mit Trump angestrebt haben und lehnt ein Abkommen ab, das Irans Raketenprogramm und sein Netzwerk regionaler Milizen unangetastet lässt. Verteidigungsminister Katz bekräftigte, israelische Truppen würden den Südlibanon nicht verlassen. Irans Außenminister Araghchi bestand seinerseits darauf, ein Frieden setze den israelischen Abzug voraus — während US-Vertreter genau das als keine zwingende Bedingung bezeichneten.

Zentralbanken weltweit erhöhen den Druck

Parallel zur geopolitischen Entspannung läuft das geldpolitische Straffungskarussell auf Hochtouren — befeuert durch die monatelange Energieschockinflation. Die Bank of Japan hob ihren Leitzins um 25 Basispunkte auf 1,0 Prozent an, den höchsten Stand seit mehr als drei Jahrzehnten. Der Schritt wurde mit 7:1 beschlossen. In ihrer Erklärung warnte die BOJ, der Preisauftrieb durch steigende Rohölkosten breite sich „mit relativ hohem Tempo“ vom Großhandel auf die Verbraucherpreise aus und könnte die Inflationsmarke von zwei Prozent überschreiten.

Vizedirektor Shinichi Uchida räumte ein, der US-iranische Fortschritt sei zwar „willkommen“, betonte aber die fortbestehende Unsicherheit über das Tempo der Ölversorgungsnormalisierung. Genau diese Nuance treibt auch andere Notenbanken um.

Die australische Zentralbank ließ ihren Leitzins bei 4,35 Prozent unverändert, schloss aber weitere Erhöhungen ausdrücklich nicht aus. Die Reserve Bank of Australia (RBA) warnte: „Der globale Ölversorgungsengpass wird einige Zeit brauchen, um sich aufzulösen, und hält den Druck auf die Energiepreise und die Inflation aufrecht.“ Der Friedensdeal werde Märkte erst beruhigen, wenn er unterzeichnet, umgesetzt und in den Benzinpreisen sichtbar sei, so Deloitte-Ökonom Stephen Smith. Harry Murphy Cruise von Oxford Economics formulierte es noch pointierter: „Der inflationäre Impuls des fast viermonatigen Ölpreisschocks lässt sich nicht einfach zurückdrehen.“

Die Europäische Zentralbank hatte bereits vergangene Woche um 25 Basispunkte erhöht. Händler preisen laut LSEG-Daten eine weitere Anhebung bis Jahresende ein. Auch die US-Notenbank Federal Reserve und die Bank of England stehen in dieser Woche vor Entscheidungen — wobei die Fed unter dem neuen Vorsitzenden Kevin Warsh voraussichtlich die Zinsen hält, ihr Begleitkommentar aber genau unter die Lupe genommen werden dürfte.

Märkte feiern, Gold bleibt gefragt

Die Aktienmärkte reagierten auf das Abkommen mit Kursgewinnen. Der S&P 500 legte am Montag 1,7 Prozent zu, der Nasdaq Composite sprang um 3,1 Prozent nach oben. Europas STOXX 600 erreichte ebenfalls ein Rekordhoch und hielt am Dienstag leicht im Plus bei 636 Punkten. Analysten von Vital Knowledge brachten es auf den Punkt: Der Deal begeistert weniger durch eigene positive Kraft als dadurch, dass er einen Risikofaktor vom Tisch räumt — und Aktien wieder den Blick auf solide Unternehmensgewinne richten können.

Beim Gold ist das Bild differenzierter. Der Goldpreis stieg am Montag um drei Prozent im Zuge des Deals, liegt aber immer noch weit unter den Hochs der Konfliktphase. Laut der aktuellen Umfrage des World Gold Council planen 45 Prozent der befragten Zentralbanken — ein Rekordhoch — ihre Goldreserven innerhalb der nächsten zwölf Monate auszubauen. 90 Prozent nannten die Krisenperformance des Edelmetalls als Hauptmotiv. Die Tendenz zur Repatriierung und geografischen Streuung der Lagerung nimmt ebenfalls zu.

Was bleibt offen

Die Erleichterung an den Märkten ist real — aber auch fragil. Ökonomen warnen einhellig, dass der Inflationsdruck aus dem viermonatigen Ölpreisschock noch Monate brauchen wird, um vollständig aus dem System zu weichen. Solange die Straße von Hormuz nicht nachweislich für normale Schiffsvolumen offen ist und israelisch-iranische Spannungen schwelen, bleibt die Entspannung ein Versprechen. Eines, das am Freitag in Genf einen ersten Realitätscheck erfahren wird.

Dr. Robert Sasse

Dr. Robert Sasse ist promovierter Ökonom und Unternehmer mit umfassender Expertise in Finanzmärkten und Wirtschaftstheorie. Seine akademische Ausbildung verbindet er mit praktischer Unternehmenserfahrung, um fundierte Analysen zu langfristigen Anlagestrategien zu liefern.

Als Verfechter einer marktwirtschaftlichen Ordnung fokussiert sich Dr. Sasse auf die Vermittlung von Strategien für nachhaltigen Vermögensaufbau durch Aktieninvestments. Seine wissenschaftlich fundierten Beiträge auf stock-world.de richten sich an Anleger, die eigenverantwortliche, informierte Entscheidungen für ihre finanzielle Zukunft treffen möchten.

Dr. Sasse spezialisiert sich auf die verständliche Aufbereitung komplexer ökonomischer Zusammenhänge und die praktische Anwendung von Investmentstrategien für die Altersvorsorge. Sein Ansatz kombiniert theoretisches Wissen mit klarem Praxisbezug, um Lesern Orientierung in einem dynamischen Marktumfeld zu bieten.

Mit seiner Expertise unterstützt er Anleger dabei, die Chancen des Kapitalmarkts systematisch und langfristig zu nutzen – unabhängig von kurzfristigen Marktschwankungen.