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US-Inflation kühlt ab – Fed-Zinshoffnung lebt

Die US-Verbraucherpreise stiegen im Januar schwächer als erwartet, was Hoffnungen auf Zinssenkungen nährt. Allerdings deuten Kerninflation und politische Unsicherheiten um die Fed-Führung auf anhaltende Herausforderungen hin.

Die wichtigsten Punkte im Überblick

  • Verbraucherpreise steigen schwächer als prognostiziert
  • Kerninflation zeigt anhaltenden Preisdruck
  • Politisches Tauziehen um Nachfolge von Fed-Chef Powell
  • Märkte erwarten erste Zinssenkung im Juni

Die US-Notenbank Federal Reserve dürfte aufatmen: Die Inflationsdaten für Januar fielen milder aus als erwartet und nähren Hoffnungen auf weitere Zinssenkungen im Jahresverlauf. Während die Verbraucherpreise auf Jahressicht um 2,4 Prozent stiegen – weniger als die prognostizierten 2,5 Prozent –, zeigt sich an den Märkten eine vorsichtig optimistische Grundstimmung. Doch die Freude über das „kühle“ Inflationsbild könnte verfrüht sein, denn unter der Oberfläche brodelt es weiter.

Die Kernrate der Inflation, die volatile Komponenten wie Energie und Lebensmittel ausklammert, legte im Monatsvergleich um 0,3 Prozent zu. Besonders interessant: Die sogenannte „Supercore“-Inflation – Dienstleistungen ohne Wohnkosten – beschleunigte sich im Januar um 0,6 Prozent, den höchsten Wert seit einem Jahr. Diese nachfragegetriebene Preisdynamik bereitet Analysten Sorgen, da sie auf anhaltenden Inflationsdruck hindeutet, der nichts mit Zöllen oder Lieferengpässen zu tun hat.

Märkte reagieren verhalten – Fed im Wartemodus

Die Reaktionen an den Finanzmärkten fielen gedämpft aus. US-Aktienfutures zeigten sich nach den Inflationszahlen weitgehend unbeeindruckt, während die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen um knapp drei Basispunkte auf 4,075 Prozent nachgaben. Der Dollarindex blieb nahezu stabil. Die Zurückhaltung der Investoren dürfte vor allem daran liegen, dass die Daten zwar besser als befürchtet ausfielen, aber keine klare Richtung für die Fed vorgeben.

„Das Inflationsbild ist ein Rorschach-Test für Anleger“, kommentierte Brad Conger von Hirtle, Callaghan & Co. Die große Streuung zwischen einzelnen Preiskategorien zeige, dass die Wirtschaft Knappheit und Überfluss von Fall zu Fall bewerte – kein Zeichen einer breitflächigen Inflation. Langfristig wirke künstliche Intelligenz deflationär, weshalb sein Haus auf Anleihen mit längeren Laufzeiten und zinssensitive Sektoren wie Immobilien und Hausbau setze.

Die Fed-Funds-Futures preisen mittlerweile eine 70-prozentige Wahrscheinlichkeit für eine Zinssenkung im Juni ein, insgesamt werden für 2026 rund 60 Basispunkte an Lockerungen erwartet. Phil Orlando von Federated Hermes sieht drei Zinssenkungen im Laufe eines Jahres als realistisch an, sobald die Führungstransition von Jerome Powell zu dessen designiertem Nachfolger Kevin Warsh vollzogen ist.

Politisches Tauziehen um Fed-Führung

Apropos Warsh: Die Nominierung des ehemaligen Fed-Gouverneurs zum neuen Notenbank-Chef wird zum politischen Drahtseilakt. Finanzminister Scott Bessent bestätigte, dass der Bankenausschuss des Senats die Anhörungen für Warsh vorantreiben will, obwohl der republikanische Senator Thom Tillis eine Blockade angekündigt hat. Tillis fordert den Abschluss der Ermittlungen gegen den amtierenden Fed-Chef Powell wegen eines kostenintensiven Renovierungsprojekts der Notenbank-Zentrale in Washington.

Bessent schlug vor, der Senatsausschuss könne eine eigene Untersuchung durchführen – ein möglicher Ausweg aus der Pattsituation. „Jeder, dem die Integrität und Unabhängigkeit der Fed am Herzen liegt, wird Kontinuität mit Kevin Warsh wollen“, so Bessent gegenüber CNBC. Powells Amtszeit endet Mitte Mai, und die Verzögerung bei Warshs Nominierung sorgt für Unsicherheit über die künftige geldpolitische Ausrichtung.

Interessanterweise bezeichnete der Ausschussvorsitzende Tim Scott Powell als „inkompetent“, nicht aber als kriminell – ein Hinweis darauf, dass die Ermittlungen eher politischer Natur sein könnten als juristisch begründet. Powell selbst hatte die strafrechtlichen Untersuchungen als Teil von „Drohungen und anhaltendem Druck“ der Trump-Regierung kritisiert, die Fed zu Zinssenkungen zu bewegen.

Arbeitsmarkt bleibt rätselhaft robust

Die Inflationsdaten landen nur zwei Tage nach einem überraschend starken Arbeitsmarktbericht, der die Erwartungen deutlich übertraf und die Zinssenkungshoffnungen zunächst dämpfte. Die Arbeitslosenquote sank, während die Beschäftigtenzahlen weit über den Prognosen lagen. Allerdings zeigten die Details Schwächen: Das Wachstum konzentrierte sich erneut auf nicht-zyklische Sektoren wie Gesundheit und Soziales.

„Wir befinden uns in einer Warteschleife“, fasste Brent Schutte von Northwestern Mutual Wealth Management zusammen. „Alle warten darauf zu sehen, wie der Arbeitsmarkt wirklich aussieht.“ Die Fed stehe vor dem Dilemma ihres Doppelmandats: Preisstabilität und Vollbeschäftigung. Sollten die nachfragegetriebenen Inflationstendenzen anhalten, könnte dies die geldpolitischen Entscheidungen stärker beeinflussen als bisher erwartet.

Globale Handelsdynamik verschärft Lage

Während die Fed mit ihrer Zinspolitik ringt, verschärfen sich weltweit die Handelskonflikte. Die USA und Taiwan unterzeichneten ein Abkommen, das gegenseitige Zölle von 15 Prozent vorsieht, während Washington plant, einige Stahl- und Aluminiumzölle zurückzunehmen. Diese handelspolitischen Schachzüge sorgen für zusätzliche Unsicherheit bei der Inflationsentwicklung.

Europa bekommt die Auswirkungen bereits deutlich zu spüren: Der Handelsüberschuss der EU schrumpfte im Dezember auf 12,9 Milliarden Euro, während die Exporte in die USA – dem wichtigsten Abnehmermarkt – um 12,6 Prozent einbrachen. Der Überschuss mit den Vereinigten Staaten sank um ein Drittel auf 9,3 Milliarden Euro. „Es wird Jahre dauern, bis Europa diesen verlorenen Markt zurückgewinnt“, warnen Ökonomen.

Die Zeit drängt für die Fed. Mit einer Inflation, die hartnäckiger bleibt als erhofft, einem robusten Arbeitsmarkt und politischem Druck aus dem Weißen Haus steht die Notenbank vor einer ihrer heikelsten Bewährungsproben. Ob June der Startschuss für die Zinswende wird, dürfte maßgeblich von den kommenden Datenreihen abhängen. Eines ist klar: Der Weg zurück zum 2-Prozent-Ziel bleibt steinig.

Andreas Sommer

Mit über 40 Jahren Erfahrung im Bankwesen und Börsenjournalismus gehöre ich zu den etablierten Analysten im deutschsprachigen Raum. Nach mehr als zehn Jahren als Wertpapierberater bei der Deutschen Bank spezialisierte ich mich seit dem Börsencrash 1987 auf technische Analyse und charttechnische Methoden.

Als ehemaliger Chefredakteur mehrerer Börsenpublikationen entwickelte ich den "Aktienführer Neuer Markt" mit und führe heute einen Börsendienst, der sich auf wachstumsstarke Unternehmen fokussiert. Mein wöchentliches Markt-Barometer analysiert systematisch DAX, Dow Jones, Ölpreis, Währungen und Marktstimmung, um präzise Orientierung zu bieten.

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